Zeiss Digital Brilengläser - Test & Geschichte

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Test & Geschichte: Zeiss Digital Brillengläser

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Brillenanpassung bei Optik Mattern in Sandhausen

Brillenanpassung bei Optik Mattern in Sandhausen

Eines vorweg: Ich würde nicht auf slowlifelab.de über ein modernes Produkt bloggen, wenn keine interessante Geschichte dazugehören würde. Zur Brille, die mir als Tester zur Verfügung gestellt wurde, steckt zum Beispiel Wissenswertes über die Firma Carl Zeiss.

Hier geht es direkt zum Produkttest.

Geschichte

Die Carl Zeiss Stiftung in Jena (gemeinfrei, Quelle: ZENO.org)

Die Carl Zeiss Stiftung in Jena (gemeinfrei, Quelle: ZENO.org)

In Heidenheimer Teil von Wolfgangs Familie hat „Carl Zeiss“ den Ruf eines Traumarbeitgebers. Das hat seinen Grund. Seit der Gründung der Carl Zeiss Stiftung im Jahr 1889 waren die Mitarbeiter dort hervorragend versorgt. Achtzehn Jahre vor der gesetzlichen Einführung des Acht-Stunden-Tages wurde dieser bereits vertraglich zugesichert. Auch bezahlter Urlaub und Invalidenversorgung waren in den Stiftungsstatuten vorgeschrieben.

Hinter dem Unternehmen „Carl Zeiss“ standen von Anfang an drei Herren 1.

  • Carl Zeiss: Gründet 1846 ein „Atelier für Mechanik“. Mit mehreren Mitarbeitern schleift er Linsen und baute Mikroskope.
    Aus der damaligen Bezeichnung „pröbeln“ für das Zurechtschleifen der Gläser lässt sich erkennen, dass es sich um ein heuristisches Vorgehen handelte.
  • Ernst Abbe: Nach zwei Jahren erfolgreicher, aber umständlicher Arbeit war Carl Zeiss überzeugt, dass für es mathematische Gesetzmäßigkeiten für die optische Wirkung von Linsen geben muss. Der Privatdozent Ernst Abbe fand für ihn die Lösung.
  • Dr. Otto Schott: Ernst Abbe war sich sicher, dass man die optische Wirkung auch durch die chemische Zusammensetzung des Glases verbessern kann. Er richtete 1882 ein glastechnisches Labor ein und ließ den westfälischen Glas-Chemiker Dr. Otto Schott darin forschen. 1884 gründete Otto Schott gemeinsam mit Ernst Abbe, Carl Zeiss und dessen Sohn Roderich Zeiss das „Glaswerk Otto Schott und Genossen“2.
Ernst Abbe (gemeinfrei, Quelle: Wikimedia)

Ernst Abbe (gemeinfrei, Quelle: Wikimedia)

Nach dem Tod von Carl Zeiss gründete Ernst Abbe die nach seinem Geschäftspartner benannte Stiftung, in die er sein Vermögen und, bis auf eine Abfindung für Sohn Roderich, auch das Vermögen von Carl Zeiss überführte. Im Jahr 1919 übergab auch Otto Schott seine Anteile am Glaswerk an die Carl Zeiss Stiftung.

Ein Abschnitt der Statuten aus der Feder von Ernst Abbe führte Jahrzehnte später zu Problemen. Ernst Abbe war Lokalpatriot. Die Stiftung sollte nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch der Stadt Jena und ihren kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen zugute kommen. Deshalb sollte der rechtliche Sitz der Stiftung nicht „außerhalb der nächsten Umgebung von Jena“ verlegt werden.

Als die amerikanischen Streitkräfte 1945 wichtige Zeiss-Mitarbeiter von Jena nach Heidenheim an der Brenz umsiedelten, einigte man sich zunächst auf eine schwäbisch-thüringische Zusammenarbeit. Denn die US-Streitkräfte hatten leitende Ingenieure exportiert, viele praktisch erfahrene Mitarbeiter waren in Jena verblieben. Der Teil der Maschinen und Werkzeuge, die die US-Streitkräfte 1945 mitnahmen, war nicht in Heidenheim angekommen, sondern in die USA weitergereist. Erst 1954 kam es zum Bruch, es folgten etliche Gerichtsprozesse. Der neue Sitz der Stiftung blieb trotzdem in Heidenheim3.

Carl Zeiss heute

Bis zur Stiftungsreform 2004 blieben Carl Zeiss und Jenaer Glaswerk Schott & Gen. rechtlich unselbständige Teile der Stiftung. Inzwischen wurden beide Unternehmen in Aktiengesellschaften überführt. Die Carl Zeiss Stiftung ist alleinige Anteilseignerin der Schott AG und hält Anteile an der Carl Zeiss AG4.

Carl Zeiss ist inzwischen ein international operierendes Unternehmen und ist in dreizehn Geschäftsbereiche gegliedert. Neben den weithin bekannten Brillengläsern, Film- und Fotoobjektiven und Diagnosesystemen für Ärzte produziert und vertreibt die Carl Zeiss AG beispielsweise Lithographisysteme zur Fertigung von Microchips und fertigt Mikroskope sowie industrielle Messlösungen.

Nach einem Einbruch in den Neunziger Jahren, der zu mehreren Entlassungswellen führte, erzielt Carl Zeiss inzwischen stabile Umsätze. Ende März 2013 arbeiteten weltweit 24.800 Menschen für Zeiss, 10.700 davon in Deutschland5.

Vision Care, also Brillengläser, Veredelungen und diagnostische Instrumente, ist aktuell das drittstärkste Segment. Nach einem Zusammenschluss mit dem US-amerikanischen Brillenglashersteller SOLA International Inc. im Jahr 2005, aus dem der weltweit zweitgrößte Hersteller von Brillengläsern entstand, hält die Carl Zeiss AG inzwischen wieder alle Anteile an Carl Zeiss Vision Care 6.

Wie von Ernst Abbe bestimmt, fördert die Carl Zeiss Stiftung naturwissenschaftliche und mathematische Studien in Forschung und Lehre. Der lokalpatriotische Ansatz wurde erweitert, blieb aber in Grundzügen erhalten: Gefördert werden „staatliche Hochschulen der drei Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen, in denen die Stiftung und die Stiftungsunternehmen ihren Sitz haben“ 7. Die Fördergelder ergeben sich aus den Dividendenausschüttungen der Stiftungsunternehmen.

Selbstverständlich unterstützte die Carl Zeiss AG junge Forscher vom Ernst-Abbe-Gymnasium bei ihrem Projekt für “Jugend forscht“.

Schott AG heute

Auch die Schott-AG ist inzwischen ein internationaler Technologiekonzern. Auch die Geschäftsleitung und Mitarbeiter des „Jenaer Glaswerk Schott & Gen“ wurden von US-Truppen umgesiedelt. Der „Zug der 41 Glasmacher“ endete in Mainz, noch heute Stammsitz der Schott AG.

Ähnlich wie Carl Zeiss war das „Jenaer Glaswerk Schott & Gen.“ ab 1953 in einen Markenrechtsstreit verwickelt. Man einigte sich auf zwei verschiedene Kennzeichnungen8.

Zeit für eine andere Brille

Im Oktober werde ich 38. Brillenträgerin bin ich seit frühster Kindheit, bisher mit ungefähr +4,6 und +2,5 Dioptrien.
Konnte ich noch vor ein paar Jahren tagelang ohne Brille und Kontaktlinsen scharf und ohne Augenschmerzen (Asthenopie) sehen, so muss ich die Brille nun wirklich immer tragen. Der Satz „Kind, mach Dir doch Licht“ klingt mir zwar immer noch im Ohr, tatsächlich suche ich inzwischen auch mit Brille aktiv nach Lichtquellen, um mir das Lesen zu erleichtern.

Beim Besuch der re:publica und der parallelen Media-Convention9 war es dann offensichtlich. Neben dem Wiedersehen alter Bekannter wollte ich diesmal auch Kunden akquirieren. Angenehm auffallen war meine Devise: Durch unterhaltsame, kluge Tweets und ein angenehmes Äußeres.

In den dunklen Vortragsräumen konnte ich das Display kaum erkennen. „Warum retweetet mich niemand?“ frage ich mich. Erkennen konnte ich es erst abends am Netbook: Die besten Tweets waren voller Tippfehler.

Dazu konterkarierten ein müder Blick und fies rotunterlaufene Augen meinen Auftritt. Akquisetechnisch ist da noch Luft nach oben.

Rote Augen, starrer Blick: Kein optimaler Akquise-Look

Rote Augen, starrer Blick: Kein optimaler Akquise-Look

Brille und Alter

Für die veränderte Sehfähigkeit ab 35 bzw. 40 gibt es verschiedene Gründe. Das Erschlaffen und Erstarren des Gewebes macht vor der Linse nicht halt. Die Linse wird unflexibler. Gleichzeitig ermüden die Zilliarmuskeln. Das Anpassen des Blicks von der Ferne auf Gegenstände in der Nähe dauert länger. Die Brechkraft der Linse nimmt ab und Gegenstände nah vor dem Auge werden nicht mehr scharf gesehen: Die sogenannte Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) zwingt mittelfristig zur Lese- oder Gleitsichtbrille10.

Ein unbekannteres Phänomen: Verursacht hohe Lidspannung in jungen Jahren so manchen Hornhautastigmatismus, so lässt sie im Alter nach. Die Hornhautoberfläche ändert sich und die an den Astigmatismus angepasste Brille hilft nicht mehr 11. Auch dies ein Grund für eine neue Brille.

Digitale Gläser

Zeiss-Studie: Symptome digitalen Sehstresses

Zeiss-Studie: Symptome digitalen Sehstresses

Für Jung- oder Neo-Presbyope wie mich ist eine Gleitsichtbrille zu viel des Guten. Da ich als Online-Redakteurin und Bloggerin meine Augen mehr und einseitig mit Bildschirmarbeit belaste und mein Blick als als Smartphone-Nutzerin oft zwischen dem Smartphone-Display und der Umgebung wechselt, bin ich wohl die ideale Kundin für digitale Gläser.
Deshalb bot Carl Zeiss Vision mir an, ihre Digitalen Gläser zu testen.

Digitale Gläser sollen asthenoptische Beschwerden, wie sie nach langem Twittern via Smartphone auftreten, verhindern. Zu den asthenopischen Beschwerden gehören beispielsweise das Druck- oder Schmerzgefühl in den Augen, Augenbrennen und Kopfschmerzen.

Das Besondere an Digitalen Gläsern ist das große Feld für Fernsicht und der kurze Übergang zur Nahsicht. Der Wechsel zwischen Fernsicht und digitalem Gerät erfolgt also schneller und ist weniger ermüdend.

In meinem Fall ist die Brille am unteren Rand um +0.5 Nahsicht-verstärkt. Blicke ich durch diesen unteren Bereich auf mein Smartphone-Display oder auf Kleingedrucktes, so kann ich es prima lesen. Größere Schrift ist durch diesen Bereich nicht so gut lesbar, die Buchstaben scheinen zu groß, um daraus ein Wort zu bilden. Klassisch Gedrucktes liest man deshalb weiterhin mit dem mittleren Bereich des Brillenglases. So gewöhnt man sich ganz nebenbei daran, seinen Kopf an Stelle der Augäpfel zu bewegen – später wichtig für die Gleitsichbrille.

Zeiss gibt eine Verträglichkeits-Garantie auf seine Gläser12, und ich muss zugeben, ich habe die Gläser tatsächlich direkt vertragen. Das einzig Auffällige: Ein kurzes Verschwimmen des Bildes an den Seitenrändern, zum Beispiel, wenn ich, anstatt den Kopf zu mitzubewegen, vom Bildschirm zur Tastatur blicke. Nach ein paar Tagen habe ich auch dies nicht mehr bemerkt.

Beim Optiker

Brillenanpassung bei Optik Mattern

Brillenanpassung bei Optik Mattern

Nicht jeder Optiker, der Zeiss-Gläser führt, verkauft auch Zeiss Digitale Gläser. Ich sollte mich deshalb im „Augenoptischen und optometrischen Zentrum Mattern“13 in Sandhausen melden.

Sandhausen.

Dorthin hatte es mich noch nie verschlagen. Sandhausen hat etwas mehr Einwohner als Neckargemünd. Dort soll ein „Zentrum“ sein?

Als ich dort ankam, war ich überrascht. Denn die Hauptstraße ist, trotz des minimalen Einwohnerunterschiedes, um einiges belebter. Zudem beheimatet Sandhausen einen bekannten Zweitligisten, den SV-Sandhausen 14. Optik Mattern hat neben der Filiale in Sandhausen auch eine in Wiesloch. Lustig: In beiden Orten lautet die Adresse Hauptstraße 97. „Das führt oft zu Verwirrung“ erklärte Frau Mattern, „deshalb geben wir die Hausnummer in Sandhausen mit ’97-101′ an“.

Modern ausgestattet

Modern ausgestattet

Nach etwas Wartezeit, die mit einem Kaffee verkürzt wurde, führte man mich in den Nebenraum. Optik Mattern verfügt über moderne optometrische Systeme wie zum Beispiel den „i.Profiler“ zur Messung der Wellenfrontaberration. In nur 30 Sekunden wird die Augenoberfläche abgetastet und quasi kartografiert. Mit dem Ergebnis können Gläser angepasst werden, die die Kontrastwahrnehmung bei Nacht verbessern. Mit der Anschaffung der Geräte, der Schulung der Mitarbeiter und dem Einsatz neuster Brillentechnologien wie der Digitalen Gläser, hat sich Optik Mattern als „Relaxed Vision® Center“15 qualifiziert. Im Zentrum des Konzepts stehen die individuellen Sehbedürfnisse, die je nach Alter, Muskelstruktur, Augenoberfläche etc., ganz unterschiedlich sind.

Der Sehtest hat lange gedauert, auch, weil ich mir ganz sicher sein wollte und sehr lange versucht habe, die Buchstaben zu entziffern. Das Ergebnis: Beide Augen sind schlechter geworden.
Untersucht und umsorgt von Frau Mattern und Frau Reidel habe ich mich dort sehr wohl gefühlt.

Ein nettes Detail: Das Team von Optik Mattern in 3D

Ein nettes Detail: Das Team von Optik Mattern in 3D

Neben der Untersuchung von Sehstörungen bei Erwachsenen bietet Optik Mattern im augen-blick-labor die Untersuchung von Wahrnehmungssörungen bei Kindern an. Mit modernen Geräten wie dem Readalizer können Leseprobleme aufgespürt werden, die für Eltern oft unerklärlich sind.

Die neue Brille

Vorher-Nachher

Vorher-Nachher

Etwa Anfang Dreißig habe ich meinen Stil gefunden. Möglichst klassisch, lange tragbar und gut zu kombinieren. Meine Farbpalette bewegt sich zwischen braun, grün und schwarz, dazu meistens einen Tupfer Gold.

Mit Brillen, die zu meiner Haarfarbe passen, habe ich gute Erfahrungen gemacht. Deshalb weicht das neue Modell farblich nur wenig von meiner alten Brille ab. Im Hornimitat von Michael Kors changieren helle und dunkle Brauntöne. Einen Tupfer Gold hat die Brille auch, an den Bügeln.

Um den Lesebereich optimal nutzen zu können, habe ich ein größeres Modell gewählt. Da die Digitalen Gläser von Zeiss auch in sehr geringer Dicke erhältlich sind, ist auch das Glas mit 5 Dioptrien dünner als der Rahmen. Das war bei der Vorgängerbrille nicht der Fall.

Nach drei Wochen Tragzeit bin ich mit der Brille mehr als zufrieden. Nur an der LoTuTec-Veredelung, die die Reinigung erleichtern sollte, zweifle ich noch etwas. Gefühlt werden sie Gläser schneller schmutzig und langsamer sauber. Das mag aber auch daran liegen dass ich die Brille näher am Auge trage als meine vorherige und deshalb kleine Verunreinigungen sofort bemerke.

Mehr über die Bloggerin und Diplom Informationswirtin Alice Scheerer auf alicescheerer.de.

  1. Quelle und mehr Info: Website der Carl Zeiss Stiftung.
  2. Mehr über Geschichte und Gegenwart der heutigen Schott AG auf Wikipedia.
  3. Mehr über den Konflikt um den Stiftungssitz im Spiel-Archiv.
  4. Quelle: Website der Carl-Zeiss-Stiftung.
  5. Quelle: Heise Newsticker /dpa und Statista (Gewinnentwicklung)
  6. Quelle: Wikipedia über Carl Zeiss.
  7. Quelle: Fördergrundsätze der Carl Zeiss Stiftung
  8. Quelle und mehr über die Schott AG bei Wikipedia.
  9. Bei Interesse: Hier meine gesammelten Lessons Learned von der re:publica und der Media Convention.
  10. Mehr über Presbyopie bei Wikipedia.
  11. Quelle Artikel aus dem AugenSpiegel 10/2004..
  12. Mehr dazu hier: 100% ZEISS Verträglichkeits-Garantie.
  13. Mehr über Optik Mattern auf der Website.
  14. Mehr über Sandhausen auf Wikipedia.
  15. Was ist ein Relaxed Vision® Center?

Autor: Alice Scheerer

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3 Kommentare

  1. Pingback: Steinzeug ist gut und Steingut ist Zeug | slowlifelabslowlifelab

  2. Sehr interessanter Bericht. Dankeschön! Wusste gar nicht, dass Schott irgendetwas mit Zeiss zu tun hat bzw. hatte. Und ein tolles Layout hast Du inzwischen für Deine Webauftritte. Sieht sehr gut aus.

  3. Na, dieser ausführliche Bericht sollte der Firma Zeiss ein Brillenabo auf Lebenszeit wert sein. Oder ein angemessenes Honorar!
    Liebe Grüße
    Katrin

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