Vorwärts in die Vergangenheit: Kaffeekochen nach Peak-Oil

SlowLifeLab

Laboratorium für Traditionelles und Historisches

Vorwärts in die Vergangenheit: Kaffeekochen nach Peak-Oil

| 3 Kommentare

Nachdem ich als Teenager den Inhalt eines schlecht gewarteten Espressovollautomaten erblickt hatte (orange und und sehr lebendig), hat mich das Thema nie mehr gereizt. Eine Maschine, die mich zwar vordergründig bestens bedient, aber heimlich und hinter komplexen Öffnungsmechanismen versteckt organischen Müll ansammelt … wozu soll das gut sein?
Ich trinke Kaffee nicht aus Genussgründen, sondern um wachzuwerden. Da ich bei seiner Zubereitung logischerweise nicht wach bin, sollte sie möglichst einfach zu bedienen sein.

Wie wird Kaffee post-oil zubereitet?

Die Zubereitung in der klassischen Kaffeemaschinen mit Stromanschluss geht mir zwar leicht von der Hand, aber es gibt praktische und persönliche Gründe, die Zubereitungsart für Kaffee im slowlifelab zu wechseln.

  • Angesichts des globalen Ölfördermaximums (kurz: peak-oil), das möglicherweise schon erreicht ist, fragen wir uns, wann die Phase der elektrisch betriebenen Kaffeemaschinen mit Kunststoffteilen endet. Zum Beispiel, weil die Stromkosten steigen und auch Kunststoffteile und Gummidichtungen teurer werden. Zudem produzieren Kunststoffteile schwer wiederverwendbaren Müll.
  • Für jemanden wie mich ist der klassische Filterkaffee durchaus genießbar. #herzblatt, dem Kaffee-Junkie, schmeckt der klassische Filterkaffee immer weniger. Plötzlich sollte ich den Kaffee mit seinem Espressokocher auf dem Herd zubereiten. Wie soll das gehen, morgens, vor dem Kaffeetrinken? In diesem Zustand überhöre ich meistens den Moment in dem das Wasser durchgelaufen ist und im Nu erhitzt sich die Dichtung zwischen Ober- und Unterteil des Espressokochers und es riecht nach angebranntem Gummi. Eine im Schlaf bedienbare Kaffeemaschine ohne Gummi und Kunststoff wäre praktisch.
  • Kaffeemaschinen mit Stromanschluss kann man nie komplett abspülen. Das gilt natürlich auch für unsere aktuelle Kaffeemaschine, die zu allem Übel auch noch weiß ist. Nach dem Wachwerden ist umständliches Herumwischen angesagt.
  • Recycling verwendeter Kaffeefilter ist für uns kein Problem, die Regenwürmer im Garten lieben Kaffeesatz. Aber den Kaffeefilter könnten wir auch einsparen.
  • Ein letzter Grund ist Platzersparnis. Die Maschine okkupiert den Großteil unseres Frühstückstisches.

#herzblatt hatte früher eine Kaffeemaschine zum Pressen. Leider war sie aus Glas und zerbrach irgendwann. Da ich das Thema Kaffeezubereitung nicht aktiv verfolge, hatte ich Kaffeepressen komplett vergessen. Aktuell könnten wir das heiße Wasser mit Strom bereiten, und im Fall einer Verteuerung zu Holz oder anderen Alternativen wechseln. Ob es die noch gibt?

Gibt es Kaffepressen noch?

Bei der Recherche im Web stelle ich nicht nur fest, dass es sie noch gibt, sondern auch, dass die
korrekte Bezeichnung der Kaffeepresse „Pressstempelkanne“ lautet. 1

Im auf Wikipedia verlinkten Artikel des Barrista-Blogs 2 sind weiter Namen zu finden. Die Geschichte dieser Namen erfahre ich aber erst im englischsprachigen Wikipedia.3 In den USA wird sie als „French Press“ bezeichnet, in Frankreich wiederum als „cafetière à piston“. Neuseeländer, Australier und Südafrikaner nennen sie schlicht und einfach „coffee plunger“.

Diese vielen Namen deuten auf eine lange, vielfältige Geschichte hin. Möglicherweise wurde die erste Pressstempelkanne tatsächlich in Frankreich gefertigt. Im wunderbaren Werk „Vergessene Haushaltstechniken“ von John Seymour4 sind ähnliche Zubereitungsmethoden enthalten, aber keine ist wirklich identisch mit dem System der French Press. Zum Patent angemeldet wurde sie von dem Italiener Attilio Calimani in 1929 5.

Edelstahl für Schlaftrunkene

Beim Klicken durch die Abbildungen von Presstempelkannen stelle ich fest, dass es außer den Modellen aus Glas und Kombinationen aus Glas und Metall bzw. Glas und Kunststoff, auch Modelle gibt, die zumindest äußerlich aus Edelstahl gefertigt sind.

Auf der Suche nach langfristigen Investitionen für die Zukunft scheint mir eine eine Pressstempelkanne aus Edelstahl genau richtig, insbesondere für schlaftrunkene Kaffeebereiter.
Aber sind wirklich alle Teile der Kaffeekanne aus Metall oder verstecken sich am Ende doch Kunststoffteile darin?

Eine Bodum Columbia konnte ich in keinem Kaufhaus und Fachgeschäft entdecken. Zum Glück fand ich ein aufschlussreiches polnisches Video, das zeigt, dass der Rahmen des Metallfilters aus Kunststoff gefertigt ist 6.

Durch Zufall fanden wir das Modell ANRIK von IKEA. Allerdings ist auch an diesem das Sieb mit einem Kunststoffrahmen versehen.

Unsere French Press

Unser Kaffeedrücker

Unser Kaffeedrücker

Beim Bummel durch das alteingesessene Fachgeschäft Pallmann in Kaiserslautern7 finden #herzblatt und ich letztendlich den perfekten Kompromiss: Die Kanne ist zwar aus Glas, aber mit Metall armiert, Filter und Halterung sind aus Metall. Sie zog direkt bei uns ein.

Übrigens …

Kaufen im Fachgeschäft ist zwar gut für das Karma, bietet aber leider nie den perfekten Überblick. Beim Schreiben dieses Artikels fand ich dann doch noch Modelle, die komplett aus Edelstahl gefertigt sind8.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das zum Brühen verwendete Kaffeepulver nicht zu fein sein sollte, da es sonst zu stark aufgeht und sich nur schwer pressen lässt. Dem Schlaftrunkenen droht die akute Kaffeeexplosion. 

Anmerkung: In diesem Artikel wurde nicht auf die Ursprungsländer und Produktionsmethoden von Kaffee und Maschinen eingegangen. Information zu umwelt- und menschenfreundlichen Alternativen sind willkommen.

  1. Die Experten von Wikipedia wissen wie immer mehr über die Pressstempelkanne.
  2. Bedienungsanleitung einer Kaffeepresse im Barrista-Blog
  3. Der Eintrag für „French press“ in Wikipedia.
  4. Das Buch ist im Moment leider nur antiquarisch erhältlich. Es kann via slowlifelab bei bei amazon bestellt werden.
  5. Quelle: Die englischsprachige Version von Wikipedia, aber auch ein Artikel über die French Press als Design-Ikone im Design Magazin Design Bureau.
  6. Zudem ist es das einzige Video ohne zusätzliche Werbeeinblendung.
  7. Die Website der Karl Pallmann GmbH
  8. Beispielweise die Edelstahl-Filterkanne von Weis und der Kaffeezubereiter aus poliertem Edelstahl von Alfi, beide können über slowlifelab bei Amazon bestellt werden

Autor: Alice Scheerer

Sie sind auf der Suche nach einer Texterin und Online-Redakteurin? betreibt nicht nur dieses Blog, sondern bietet auch Corporate Blogging, Content Marketing und Recherchedienstleistungen an, z.B. für History Marketing. Nutzen Sie das Kontakt-Formular. Mehr Informationen zum Angebot auf alicescheerer.de.

3 Kommentare

  1. Falsche Zeit für Kaffee … am Besten für vormerken für Montag :-)
    http://t.co/teqhwgvq

  2. Frisch gebloggt: Vorwärts in die Vergangenheit – Kaffeekochen nach Peak-Oil http://t.co/U7107zP3

  3. Dieser Post war es, der mich für slowlifelab eingenommen hat (neben dem schönen Design natürlich).
    Ich nutze seit fast zwanzig Jahren die Pressfilterkannen (groß und klein) von Alessi (Design Aldo Rossi). Die bestehen aus Glas und Edelstahl, sind schön, solide und leicht zu reinigen. Und unverwüstlich, wenn man sie nicht gerade fallen lässt. Man bekommt Ersatzteile dafür, auch das ist nachhaltig. – Gute Kaffeezeit allerseits!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.



↑ Back to Top ↑