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Unsere Küchen-Geschichte

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Wie Stammleser sicher wissen, beherrbergte unser Haus bis Mai 2010 eine Gaststätte. Als wir es übernahmen, waren alle Kücheninstallationen im Keller und das Erdgeschoss größtenteils mit eingebauten Sitzbänken belegt. Im Keller wollte ich nicht kochen. Am liebsten hätte ich die Theke zur Küchenzeile umgebaut und den großen Gastraum damit zur Wohnküche.
Berufliche Treffen im kleinen und mittleren Kreis würden dann zwangsläufig in der Küche stattfinden. Ideal für einen Kochblogger, nur bin ich keiner.
So entschieden wir uns, die Küche im kleinen Nebenraum der Gaststätte unterzubringen.

Das Küchen-Video bei Youtube

Kaufen oder bauen?

Anders von uns erwarten würde, haben wir unsere Küche nicht aus alten Möbeln zusammengestellt. Komplett selbst gebaut habe wir sie auch nicht, obwohl wie darüber lange nachdachten. Nein, wir haben unsere Küche im Baumarkt bestellt. Unter anderem, weil wir nicht ganz alleine für alle Fehler bei der Planung verantwortlich sein wollten. So teilten wir uns die Fehler mit den Lieferanten.

Eine Elektriker-Zulassung ist etwas Feines

Die Vorarbeit erledigte mein Herzblatt ganz alleine. Er versteckte unzählige Kabel in den Altbau-Wänden, darunter auch Lautsprecher-, Telefon- und Netzwerkkabel, begradigte und verputzen, verlegte Keramikfliesen und baute Steckdosen und Schalter ein. Dabei trug er einige Verletzungen davon, besonders fies war der Lochfraß durch Kalkzementputz1.

Wie bringt man Licht ins Dunkle?

Ich machte mir Gedanken über die Farbgestaltung der Küche. Ursprünglich stellte ich mir einen Vanille-Ton vor. Aber selbst dieser wäre zu dunkel gewesen. Der Raum, in dem die Küche letztendlich ihren Platz finden sollte, hat nur ein Fenster nach Nordwesten und Decke aus dunkelrot gebeiztem Holz. Sollten wir sie abnehmen? Oder streichen? Würde uns eine weiße Shabby-Chic-Decke gelingen? Oder würden wir sie damit zerstören.
Was ist eigentlich hinter der abgehängten Holzdecke? Nachdem wir mit der Endoskopkamera durch ein Loch geblickt hatten, wussten wir, dass wir ohne sie große Probleme haben würden. Wie sollten wir das lose Material befestigen? Würde es gelegentlich ins Essen fallen?

Aus Vanille wurde Altweiß

Wenigstens die Kacheln sollten etwas Sonnenlicht vorgaukeln. Irgendwann gab es doch mal Motivkacheln mit provenzalischen Motiven. Lavendelfelder, Häuschen und – ganz wichtig – Orangen und Zitronen. Ein Fenster ins Licht sollte es werden das mir beim Kochen gute Laune macht. Auch wenn die Fliesenfachgeschäfte von großformatigen, flachen oder lediglich stukturierten Fliesen dominiert werden, gibt es die provenzalischen Motive noch heute. Man muss nur genau hinschauen und lange genug stöbern 2.
Da die ganz tollen Motive unser Budget überschritten hätten, plante ich mein Fenster mit günstigeren Motiven, die ich im Vorübergehen entdeckt hatte.

Fliesenplanung im taschenrechnerlosen Haushalt

Fliesenplanung im taschenrechnerlosen Haushalt

Notbremsung

Eines Tages war es so weit, wir hatten uns durchgerungen die Bestellung aufzugeben. Ich betrachtete die Motive ein letztes Mal …. und stellte entsetzt fest, dass sie, obwohl auf unebenem, handgemacht wirkendem Material aufgebracht, eindeutig als Druck zu erkennen waren. Außerdem hegte ich langsam doch Zweifel daran, dass Orangen und Zitronen mit grünen Blattranken die kleine Küche hell und großräumig erscheinen lassen würden.
Zufällig fiel mein Blick auf eine frische Lieferung aus Spanien. Sie ähnelten englischen Modellen, die ich Katalog gesehen hatte, waren aber etwas günstiger. Wir diskutierten eine Weile, ob ein reines beige oder creme-mix besser zur Holzdecke und den dunkelroten Bodenfliesen passen würde. Letztendlich bestand ich auf creme-mix.
„Die sehen aus wie Omas Couchtischfliesen aus den Achtzigern!“ hörte ich Tag und Nacht, bis sie an der Wand und die Küche eingebaut war. Danach nur noch Lobeshymnen.

Die fröhlichen Albtraumkunden

Gemeinsamkeiten mit dem Kunden sind das beste Verkaufsargument. Dass wusste auch der ehemalige Türsteher unserer Lieblingsdisco in Darmstadt, der uns die Küche verkaufte. Natürlich mussten wir die Küche dort kaufen. Aber wir haben es ihm garantiert nicht leicht gemacht.

  1. Nasser Zement ist keine harmlose Matsche, sondern eine Lauge mit hohem pH-Wert (ca. 13), die schwer verheilende Wunden hinterlässt. Eine entsprechende Abbildung findet sich bei Wikipedia.
  2. Sind sie ganz verschwunden, so ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass sie ein Jahr darauf wieder groß rauskommen. Notiert meine Worte, ich werde recht behalten.

Autor: Alice Scheerer

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3 Kommentare

  1. Frau Bogenfenster räumt auf, Herr @letzterHeller schuftet. Text und Bewegtbild hier:
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  2. Für Küchenrenovierer, Küchenrenovierungsnostalgiker und solche, die es werden wollen: http://t.co/MJskCLglLu #mitMir

  3. Pingback: Der Setzkasten | slowlifelabslowlifelab

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