Fundstücke von der Kleinen Buchmesse im Neckartal - SlowLifeLinks Nr. 8

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SlowLifeLinks Nr. 8: Fundstücke von der Kleinen Buchmesse im Neckartal

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Die Kleine Buchmesse im Neckartal

Im März fand nicht nur die Leipziger Buchmesse statt. In Neckarsteinach wurde bereits die 7. Kleine Buchmesse im Neckartal veranstaltet. slowlifelab war vor Ort und hat die Kleine Buchmesse nach Historischem und Traditionellem durchsucht. Hier eine Auswahl unserer Fundstücke …

Fast Vergessenes wird wiederbelebt

Der Verlag Edition Tintenfass, der die Kleine Buchmesse ausrichtet, hat sich der Pflege von Dialekten und insbesondere der Pflege bedrohter Sprachen verschrieben. Die Übersetzungen der Häschenschule und des Kleinen Prinzen aus der Feder von des Sprachwissenschaftlers und Verlagsleiters Dr. Walter Sauer sind vermutlich über regionale Grenzen hinweg bekannt1.

Auch neuere Werke wie Weißt Du eigentlich, wie lieb ich dich hab? auf Latein oder das gemütliche Winterbuch Es klopft bei Wanja in der Nacht auf Pennsylvaanisch-Deitsch sind im Angebot.

Die letzte Sprache, das Pennsylvaanisch-Deitsch oder auch Pennsilfaanisch Deitsch hat es mir am Meisten angetan. Pennsylvanisch-Deitsch ist eine Misch-Mundart, die sich im 18. Jahrhundert zum Austausch zwischen Einwanderern aus Württemberg, der Schweiz, dem Elsass und der Kurpfalz entwickelt hat. Diese Sprache wurde von den nachfolgenden Zuwanderern und natürlich ihren Nachkommen angenommen und wird heute noch vereinzelt in Pennsylvania gesprochen. Mehr über diese Sprache ist im Pennsilfaanisch Deitsch-Wiki zu finden, natürlich auf Pennsilfaanisch Deitsch. Für Pfälzer und Kurpfälzer ist Pennsylvaanisch-Deitsch leicht zu verstehen.

Auch Titel für Erwachsene sind beim Verlag Edition Tintenfass erhältlich, zum Beispiel Mit Pennsylvaanisch-Deitsch darich’s Yaahr, aber auch Die pälzisch Weltgeschicht von Paul Münch. Alle diese Einzeltitel sind im Katalog des Verlages Edition Tintenfass zu finden.

Reges Interesse an den Ständen auf der Kleinen Buchmesse im Neckartal

Reges Interesse an den Ständen auf der Kleinen Buchmesse im Neckartal

Scherenschnitt

Eine Tradition, die seit Kurzem wieder modern ist, sind Scherenschnitte. Karina Jung zeigte auf der Kleinen Buchmesse eine große Auswahl ihrer Werke.

Altes das weiterlebt

Der Buchbinder Kai Ortlieb aus Eppelheim restauriert nicht nur alte Bücher, sondern auch Fächer und Instrumentenkoffer. Neben neuen Büchern bindet er auch Menükarten und fertigt Schmuckschatullen und Präsentationsständer.

Eine traditionelle Zeitschrift für Sinnsucher und interdisziplinäre Fragensteller

Besonders erfreut war ich über ein Gespräch mit Dirk Katzschmann vom Heidelberger Lese-Zeiten-Verlag. Er gibt unter anderem die Zeitschrift UNIVERSITAS heraus. Die Geschichte der Zeitschrift UNIVERSITAS ist älter als die seines Verlages und reicht bis in das Jahr 1946. Gegründet als „Zeitschrift für Wissenschaft, Kunst und Kultur“ verfolgt sie noch heute die Idee einer universellen, interdisziplinären Betrachtung und Beantwortung von Schlüsselfragen der Gegenwart.

Die abgebildete Ausgabe zum Thema Wachstum enthält neben einem Artikel von Niko Paech2, auch ein Essay von Karl-Heinz Paqué3 und ein Gespräch zum Demographischen Wandel mit und zwischen dem Professor für Politische Wissenschaft Dr. Manfred G. Schmidt4. und Prof. Konrad Beyreuther, Alzheimer-Forscher und Professor am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg5.

UNIVERSITAS und KinderUNIVERSITAS

UNIVERSITAS und KinderUNIVERSITAS

Diese Herangehensweise verbunden mit der Auswahl der Autoren und der Qualität der Artikel gefällt mir sehr gut. Es verwundert mich jedoch sehr, dass diese Zeitschrift in Zeiten populärer Sinnsucher-Magazine wie Hohe Luft und dem Philosophie Magazin immer noch unbekannt ist.

UNIVERSITAS erscheint monatlich und betrachtet jedes Mal ein anderes Schwerpunktthema. Alle drei Monate liegt die Kinder-UNIVERSITAS bei. Auch diese ansprechend illustrierte kleine Zeitschrift für Leser ab dem Grundschulalter betrachtet in jeder Ausgabe eine Fragestellung von verschiedenen Seiten.

Berichte über Geschichte

Unter dem Motto „Schöne Bücher aus der Region für die Region“ gibt der Waldkirch-Verlag Bildbände, Monogafien und Belletristik heraus. Gegründet im Jahre 1542 gehört er zu den ältesten Verlagen Deutschlands.

Interessante Beispiele aus dem Verlagsprogramm sind z.B. der Bildband über eine Sammlung historischer Puppen in der Mannheimer Neckarau und eine Sammlung von Kindheitserinnerungen aus Mannheim und Heidelberg.

Das Programm des Wellhöfer-Verlages ist ebenfalls regional orientiert, geht jedoch über die Grenzen der Kurpfalz hinaus. Man findet neben Historischen Romanen auch Jugenderinnerungen aus dem Odenwald und Regionalkrimis von der Nordsee.

Besonders interessant für slowlifelab und mich persönlich könnte das Buch 50 Französische Erinnerungsorte in der Pfalz sein, das Spuren aus 1000 Jahren Deutsch-Französischem Zusammenleben vor dem Vergessen bewahren möchte.

Buntes Treiben auf der Kleinen Buchmesse

Buntes Treiben auf der Kleinen Buchmesse

Bereits im letzten Blogpost erwähnte ich die Jubiläumsschrift des Dorfes Grein bei Neckarsteinach. Am Stand des Ortes Neckarsteinach waren noch weitere Regionalschriften erhältlich, z.B. auch Auszüge aus den Historischen Blättern des Kreises Bergstraße, die Neckarsteinach betreffen. Bisher konnte ich noch keine online verfügbare Übersicht dieser Schriften ausfindig machen. Aber ich arbeite daran.

The Small Book Fair in the community center "Zum Schwanen"

  1. Die Wiederverwendung der Häschenschule als Kinderliteratur ist Ansichtssache. In erster Linie ist diese Edition sicherlich für Erwachsene gedacht, für die die Häschenschule mit Kindheitserinnerungen verbunden ist.
  2. vgl. die Artikelserie zum Thema Postwachstumsökonomie auf slowlifelab.
  3. Paqué ist Autor der Buches ‚Wachstum!‘ und tritt für wertneutrales Wachstum ein. Von 2002 bis 2006 war er Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt. Mehr über Karl-Heinz Paqé bei Wikipedia
  4. Prof. Dr. Manfred G. Schmidt steht für eine „Politik des Mittleren Weges“, des Ausgleichs von Inflation, gleichzeitige Förderung von Wirtschafts- und Sozialpolitik und einen mittelgroßen, transferintensiven Steuer- und Sozialabgabenstaat. Mehr über Prof. Dr. Manfred G. Schmidt bei Wikipedia.
  5. Prof. Konrad Beyreuther ist Mit-Entdecker des BSE-Erregers und Gründungsdirektor des Netzwerks Altersforschung. Mehr über Prof. Konrad Beyreuther bei Wikipedia.

Autor: Alice Scheerer

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6 Kommentare

  1. #slowlifelab auf Expeditionsreise in Tal der Offliner und Framefreunde: http://t.co/HdthKNVBI6 #slowLifeLinks

  2. Danke für diese Lese-Anregungen! Neben dem Lesen kann ja auch der Besuch einer solchen außergewöhlichen Messe eine Bereicherung sein. Ich empfehle Euch deshalb die Mainzer Minipressen-Messe, die alle zwei Jahre stattfindet! In diesem Jahr 30. Mai bis 2. Juni. Da gibt es wunderschöne, sehr kunstfertig und liebevoll gestaltete Bücher und inzwischen offenbar auch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Mehr unter http://www.minipresse.de

    • Liebe Katrin,

      vielen Dank für den Hinweis auf die Mainzer Minipressen-Messe. Anders als der Titel vermuten lässt ist diese Messe mit 360 Ausstellern gar nicht ‚mini‘. Es gibt sogar Seminare für den verlegerischen Nachwuchs!
      Diesen Tipp werde ich postwendend an den verlegerischen Nachwuchs in meiner Timeline bzw. meinem Netzwerk weitergeben, natürlich mit Verweis auf Dich.

      Liebe Grüße,

      Alice Scheerer

  3. Der Verlag ‚Edition Tintenfass‘ hat sich der Rettung bedrohter Dialekte und Sprachen verschrieben. Mehr … http://t.co/v9FlFTRdFm

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