SlowLifeLab

Laboratorium für Traditionelles und Historisches

SlowLife-Links Nr. 12: Bayern und Zombies

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Zombies, Blasmusik, Dirndl und TheGrooves

Zombies, Blasmusik, Dirndl und TheGrooves


Die ersten Schlagworte, die mir zum Thema Bayern einfallen?

  • Blasmusik
  • Zombies
  • Trachten & Oktoberfest

Praktischerweise sind dies auch die Themen der aktuellen SlowLifeLinks …

Blasmusik aus Bayern

Damals, mit Anfang 20 hätte ich mir sicherlich nicht träumen lassen, dass ich einmal eine CD mit bayrischer Blasmusik kaufen würde. ICH & … BLÄSER? Niemals! Von bayrischen Blasmusikern ganz zu schweigen. Das müssen doch Zombies sein.

Damals waren bayrische Blasmusiker aber auch nicht so lässig wie die Jungs von LaBrassBanda, deren CD Europa ich seit Montag besitze. Barfuß und in Lederhosen reißen sie ihr durchweg junges Publikum mit. Hinter dieser Lässigkeit steckt Professionalität. Frontmann Stefan Dettl absolvierte nach dem Musikstudium mehrere Meisterkurse und beherrscht neben Jazz- auch Barocktrompeten1. Die Band formierte sich am Richard-Strauss-Konservatorium in München.

Überregionale Bekanntheit erlangte die Band durch die Teilnahme am Vorentscheid zum Eurovision Song Contest, bei dem sie genau einen Punkt erreichte. In Juni tourte sie als Vorband der Ärzte durch Deutschland.

Stefan Dettl, der Frontmann, gibt übrigens seit 2010 ein Magazin „für bayerisches Wesen und Unwesen, bayerische Kulturen und Unkulturen, Gemütlichkeit und Ungemütlichkeiten“ namens MUH heraus.

Zombies

Spätestens nachdem mein Angetrauter zu einem Renaissance-Flötisten und Dudelsackspieler mutierte, werfe ich keinem Bläser mehr vor, ein Zombie oder Anachronismus zu sein. Trotzdem gibt es in unserem Hause einen Zusammenhang zwischen Zombies und bayrischem Dialekt. Und das kam so …

Netzwerk-Kollegin Julia Dombrowski (nicht verwandt oder verschwägert mit der gleichnamigen Online-Dating-Expertin), bloggt seit geraumer Zeit über ein schillerndes Nischen-Thema: Zombies im Netz. Nach dem ersten Schreckmoment und mit etwas fokussierter Aufmerksamkeit wirkt dieses Thema überraschend omnipräsent. Legenden von lebendigen Toten gibt es in vielen Kulturen, sogar Johann Wolfgang von Goethe hat diesem Thema ein Gedicht 2 gewidmet, das an den Plot eines Splatter-Movies erinnert3.

Vor ein paar Wochen verloste Julia auf zombies-im-netz.de eine CD des Sprachkurses „The Grooves“. Da man sich die Sprache aussuchen konnte, wählte ich Bayerisch mit The Grooves. Zufällig wusste ich, dass dieser Sprachkurs aus der Reihe local grooves vom „Tatort-Kommissar“ Udo Wachtveitl eingesprochen wurde. Das kann man sich doch nicht entgehen lassen.

Wie man an der Sprach- und Sprecherauswahl erkennen kann, ist das Besondere an diesen Kursen neben der Musikbegleitung auf alle Fälle der Humor. Genau wie hinter der Lässigkeit von LaBrassBanda, steckt auch hinter der Lustigkeit von The Grooves ein professionelles Konzept. „Lernen funktioniert am besten bei guter Laune“, wird Manfred Spitzer auf der Website zitiert.

Neben LocalGrooves auf Schwyzerdütsch und Bayerisch bietet The Grooves Englischkurse für verschiedenste Aspekte (Reisen, Unregelmäßige Verben konjugieren, Business-English, ..) und Sprachkurse in Italienisch, Griechisch, Russisch, Chinesisch ….

Trachten & Oktoberfest

Als kleines Kind, so etwa 1979 bis 1982, trug ich ganz selbstverständlich die abgelegten Dirndl meiner Kusinen aus Hessen. Ich hatte mindestens drei davon, eines davon war sogar aus dunkelgrünem Samt. Nach dem Herauswachsen waren Dirndl kein Thema mehr und wurden mit steigendem Alter zu einem absoluten No-Go.

Die ersten jungen Frauen in Trachten sah ich erst 2001 in einem Münchner Bürogebäude wieder. Manche der Projektleiterinnen und Beraterinnen trugen ihr Wiesenkostüm über den ganzen Arbeitstag hinweg, andere zogen sich kurz vor Feierabend um.

Inzwischen werden unter dem Schlagwort „Oktoberfest“ Trachten und verschiedenste Accessoires überregional angeboten. Zumeist handelt es sich bei den in Kaufhäusern und Modeschmuckboutiquen verkauften Produkten um Importware aus Fernost.

Haben Trachten ihr spießiges Image verloren? Und wieso trägt ganz Deutschland eine Bayrische Tracht? Als Laboratorium für Historisches und Traditionelles haben wir uns natürlich auf die Suche nach dem Ursprung und der Bedeutung dieses Trends gemacht und nach einigem Suchen einen aufschlussreichen Artikel gefunden. Es handelt sich um ein Interview mit der Ethnologin Simone Egger aus dem Jahr 2010 4.

Die wichtigsten Aspekte dieses Interviews mit der Wissenschaftlerin, die ihre Magisterarbeit über das Thema „Phänomen Wiesntracht. Zum Bekleidungsverhalten von Oktoberfestbesuchern zwischen modischer Orientierung und Identitätssuche“ schrieb, sind:

  1. Der Trend zur Tracht begann im Jahr 2000 unter den 16-20-Jährigen. Da ihre Eltern keine Tracht trugen, mussten sie sich nicht gegen diese Tradition abgrenzen und konnten spielerisch damit umgehen.
  2. Das Dirndl hat in München integrative Funktion. Wer es trägt, gehört dazu.
  3. Der letzte Run auf das bayerische Dirndl wurde 1972 durch die Olympischen Spiele in München ausgelöst.
  4. Das „bayrische Dirndl“ wurde um 1870 als leichtes Kleid für Sommerfrischlerinnen kreiert.

Der Ursprung meiner ersten Dirndl ist damit also geklärt.

Wikipedia bezieht sich ebenfalls auf Dr. Simone Egger und ergänzt, dass sich das Dirndl aus dem Dirndlgewand, der Berufstracht einer Magd, entwickelte5. Als die Nachfrage durch immer mehr Sommerfrischler6 stieg, begann man, es industriell zu fertigen. Von Einheimischen der Bergregionen wurde es erst in der wirtschaftlich schlechten Zeit nach dem ersten Weltkrieg getragen, als man sich keine traditionell gefertigte Tracht nach historischem Vorbild mehr leisten konnte.

Die traditionelle Regionaltracht war ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland im Verschwinden begriffen. Mancherorts, z.B. in Bayern, gründeten sich Vereine zu ihrem Erhalt.

Auch die Romantik und die Antimodernismusbewegungen am Ende des 19. Jahrhunderts förderten die Gründung von Trachtengruppen.

Weshalb sich ausgerechnet das Dirndl in und natürlich auch außerhalb Deutschlands verbreitet und nicht etwa die bäuerliche Tracht aus dem Odenwald, konnten wir noch nicht komplett belegen. Möglicherweise liegt die Ursache in einer Kombination aus Trachtenförderung (auch durch die Wittelsbacher) und Tourismus.

  1. Wikipedia über Stefan Dettl.
  2. Das Gedicht „Der Totentanz“ von Johann Wolfgang Goethe und seine Geschichte auf dem Goethezeitportal
  3. Vielen Dank für diesen Hinweis an den bisher namenlosen Bänkelsänger den wir auf dem Treffen der Spielleute „Winneweh“ in Walldürn-Gottersdorf kennenlernten.
  4. Das Interview mit Dr. Simone Egger auf der Website oktoberfest-live.de. Mehr Publikationen der Ethnologin Dr. Simone Egger auf der Website der LMU.
  5. Wikipedia über das Dirnd.
  6. Was sind eigentlich Sommerfrischler? Wikipedia stellt sie vor.

Autor: Alice Scheerer

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Ein Kommentar

  1. Zusatzinfo: Andreas Hofmeir, der Tubist von LaBrassBanda, ist sogar Professor am Mozarteum.

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