SlowLife-Interview mit . . . Wolfgang Hundbiss

SlowLifeLab

Laboratorium für Traditionelles und Historisches

SlowLife-Interview mit . . . Wolfgang Hundbiss

| 4 Kommentare

Anlässlich der Illertisser Gartenlust hatte ich das Vergnügen, den Landschaftsarchitekten, Buchautor und Museumsgründer Wolfgang Hundbiss persönlich kennenzulernen.
Da er als Mitorganisator der Gartenlust äußerst beschäftigt war, hat er meine Fragen in Form eines eMail-Interviews beantwortet.

Das eMail-Inverview

Wolfgang Hundbiss; Landschaftsarchitekt, Sammler, Museumsgründer (Bildquelle: Stiftung GartenKultur)

Wolfgang Hundbiss; Landschaftsarchitekt, Sammler, Museumsgründer (Bildquelle: Stiftung GartenKultur)

slowlifelab: Wie kamen Sie zum Sammeln historischer Werkzeuge? Hatten Sie zu Anfang Vorbilder? Haben Sie inzwischen Vorbilder?
Wolfgang Hundbiss: Anlass zum Sammeln alter Gartengeräte war vor ca. 12 Jahren die Idee, hier in Illertissen ein kleines Museum dafür zu etablieren. Mit Auslöser war das 1996 erschiene Buch von Guillaume Pellerin „Outils de jardin“ – inzwischen auch in Deutsch erschienen und bereits vergriffen 1.

slowlifelab: Haben Sie andere mit Ihrer Sammelleidenschaft angesteckt?
Wolfgang Hundbiss: Nachdem ich gezielt begann, auf Flohmärkten Gießkannen aufzukaufen. Dies hatte zur Folge, dass das Angebot mit der Nachfrage wuchs und auch andere Sammler sich für dieses Gebiet interessierten. Von mir organisierte Ausstellungen wie zum Beispiel. „Künstlicher Regen“ verstärkten das Interesse weiterer Sammler.

slowlifelab: Welche Sammelstrategie haben Sie? Suchen Sie nach bestimmten Werkzeugtypen, Herstellern oder Handwerkzeugen aus einem bestimmten Zeitraum?
Wolfgang Hundbiss: Inzwischen versuche ich, alle Bereiche der gärtnerischen Gerätschaften zu erfassen. Als Leitbild steht für mich die Publikation von Monsieur Pellerin.

slowlifelab: Die Sammlung umfasst im Moment 6000 Exponate. Wird sie weiter wachsen? Wird das Museum mitwachsen?
Wolfgang Hundbiss: Je nach Angebot an noch fehlender Raritäten wird die Sammlung und das Museum mitwachsen.

slowlifelab: Wie alt ist das älteste Exponat?
Wolfgang Hundbiss: Eine Gießkanne – vermutlich Mitte 18. Jh.

slowlifelab: Die Gartenlust findet zum 15. Mal statt. Wie hat sie sich über die Jahre verändert?
Wolfgang Hundbiss: Inhaltlich, ursprünglich sind wir als reiner Gärtner- und Pflanzenmarkt angetreten. Inzwischen ähneln die Inhalte einer „Landlust“.

slowlifelab: Welche Besucher erwarten Sie im Museum GartenKultur? Soll es ein Fachpublikum anlocken oder ist es als Familienmuseum gedacht?
Wolfgang Hundbiss: Das Museum soll sowohl für ein Fachpublikum als auch interessierte Laien (unterstützt durch museumspädagogische Programme) attraktiv sein.

slowlifelab: Wie groß ist das Interesse der Besucher der Gartenlust und Ihrer Ausstellungen am Nutzpflanzenanbau? Erhalten Sie zum Beispiel Anfragen von zukünftigen Selbstversorgern oder Gemeinschaftsgärten 2?
Wolfgang Hundbiss: Diese Nachfrage wird erst durch das Museum mit dem sog. Sortenarsenal befriedigt werden.

slowlifelab: Vielen Dank, daß Sie sich Zeit für dieses eMail-Interview genommen haben.

Ein aufschlußreicher Hinweis!

Herr Hundbiss hat mir ein weiteres Mal einen sehr aufschlussreichen Tipp gegeben: Den Hinweis auf Guillaume Pellerin. Dieser ist, wie Herr Hundbiss, Landschaftsarchitekt und begann in den Siebziger Jahren mit dem Sammeln alter Gartengeräte. Zunächst sammelte er wahllos historische Gartengeräte auf Märkten und bei den in Frankreich populären Brocantes 3. Erst später begann er in Museen nach Vergleichbarem zu suchen, Gartenwerkzeuge zu bestimmen, zu sortieren und gezielt zu jagen. Dabei fiel ihm auf, dass sich in Europa kein Museum auf die Kunst der Gartentechnik spezialisiert hat. Die Idee eines Ausstellungsorts für historische Gartengeräte begann in ihm zu wachsen.

Guillaume Pellerin dehnte seine Sammlung auf Bücher, Dokumente und Kataloge aus, die Instrumente und Saatgut beschreiben. 4

Im Gegensatz zu Herrn Hundbiss, dessen mit der Stiftung Gartenkultur geplantes und finanziertes Museum gerade gebaut wird, konnte Guillaume Pellerin seinen Traum vom Museum für seine komplette Sammlung noch nicht verwirklichen. Einzelne Objekte aus der Sammlung Pellerin können im botanischen Garten in Vauville, den Pellerin aufgebaut hat und in Ausstellungen zu bestimmten Gartenthemen bewundert werden.

Pellerin ist Autor und Koautor verschiedener Publikationen zum Thema Gartenwerkzeuge, Gartenbau und Reisen. Einiger seiner Werke sind aus zweiter Hand bei Booklooker erhältlich:

[wp_booklooker isbns=9782737323720,9783770140763]

  1. Antiquarisch ist sowohl das französische Original, als auch die Übersetzung noch erhältlich, beispielsweise bei Amazon.
  2. Gemeinschaftsgärten bei Wikipedia
  3. Der französische Begriff „brocante“ für einen Gebrauchtwarenladen stammt übrigens vom schweizerischen „Brockenhaus“.
  4. Mehr zu Guillaume Pellerin auf seiner Website

Autor: Alice Scheerer

Sie sind auf der Suche nach einer Texterin und Online-Redakteurin? betreibt nicht nur dieses Blog, sondern bietet auch Corporate Blogging, Content Marketing und Recherchedienstleistungen an, z.B. für History Marketing. Nutzen Sie das Kontakt-Formular. Mehr Informationen zum Angebot auf alicescheerer.de.

4 Kommentare

  1. Pingback: Das Montagsbild: Die Geschichte der Polar Gartengeräte geht weiter!

  2. Pingback: Polar Helios - Oma Utas Obstpflücker Teil 2 slowlifelab

  3. Pingback: Best Blog Award: Elf Fragen, Elf Antworten - slowlifelab

  4. Pingback: Die Geschichte der Polar Gartengeräte geht weiter! | slowlifelabslowlifelab

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.



↑ Back to Top ↑