SlowLifeLab

Laboratorium für Traditionelles und Historisches

SlowLife-Interview mit . . . Steffi Zachmeier

| Keine Kommentare

Steffi Zachmeier, Musikerin, Moderatorin und Mundartdicherin (Bildquelle: S. Zachmeier)

Steffi Zachmeier, Musikerin, Moderatorin und Mundartdicherin (Bildquelle: S. Zachmeier)

“Was wohl in dieser Kiste ist?”, fragen wir uns damals in Nürnberg, als die Nachbarin mitsamt ihrer großen Kiste in den kleinen Aufzug stieg. Es war ein Akkordeon und unsere Nachbarin war die Musikerin, Moderatorin und Mundartautorin Steffi Zachmeier.

Seit 1995 verkauft Steffi auf Zachmeier.de Noten, Liederbücher, Sachbücher und CDs rund um Franken und seine traditionelle Musik. Sie moderiert regelmäßig die Volksmusik aus Franken auf Bayern 1 und spielt bisweilen Klezmer 1. Ihre Auftritte und Moderationstermine kündigt sie auf ihrer Facebook-Page an.

Steffi studierte Volkskunde (heute Kulturanthropologie2), macht traditionelle Musik und ist weltoffen und vielseitig. Grund genug für ein SlowLife-Interview.

War das Akkordeon Dein erstes Instrument? Wann hast Du damit angefangen?

Steffi Zachmeier: Ja, es war mein erstes Instrument. Unterricht hab ich ab der 3. Klasse bekommen – wie alt ist mensch da? Na, so 9 Jahre wohl. Zwischen 15 und 20 hatte ich eine Beziehungskrise mit dem Akkordeon, da hab ich mir etwas Kontrabass beigebracht, bin aber dann doch wieder bei der Quetsche gelandet.

Welches Verhältnis hast Du zu alten Gegenständen und Erbstücken? Bist Du ein Bewahrer oder Ausmister?

Steffi Zachmeier: Oh je, ich bin definitiv eine Bewahrerin. Am liebsten würde ich für alles, was ich nicht mehr brauche, ein Archiv oder Museum finden, noch besser Weiter-VerwenderInnen. Deshalb liebe ich auch Secondhand-Läden, Gebrauchtwaren-Börsen und Tauschforen, wie z.B. www.tauschbillet.de .Recycling ist die letzte Möglichkeit, etwas zu bewahren.
Dass ganze Kulturen einfach aussterben, finde ich meistens ziemlich schrecklich. Dann muss ich mich daran erinnern, dass ohne Tod keine Leben möglich ist und dass das alles vom universellen Standpunkt aus ganz und gar unerheblich ist.

Dein Vater hat sich bereits für traditionelle Musik stark gemacht. Gab es eine Zeit, in der Du keine Volksmusik gehört hast oder hören wolltest?

Steffi Zachmeier: Ich habe immer auch andere Musik gehört und das Interesse für Volksmusik(en) war mal stärker und mal schwächer, aber Zeiten, in denen ich davon gar nichts hören wollte, gab es eigentlich nicht.

Du hast Kulturanthropologie in Bamberg studiert. War das Studium hilfreich?

Steffi Zachmeier: Damals hat das ja noch „Volkskunde“ geheißen. Es war und ist spannend, die Lebenswelten der Vorfahren zu betrachten und zu sehen, wie sich sowas ändert und warum. Ich verstehe dadurch besser, warum die Umstände heute so sind, wie sie sind.

Würdest Du das Gleiche noch mal studieren?

Steffi Zachmeier: Das Studium dieser Dinge endet nie!

Für viele ist Musik ein Hobby, das sie gerne zum Beruf machen möchten. Was sind Deine Hobbys?

Steffi Zachmeier: Tanzen: Tango argentino, die größte tänzerische Herausforderung, die ich kenne.
Lesen: gerne Krimis und intelligente Science Fiction. Lieblingsschriftstellerinnen: Fred Vargas, Ursula LeGuin.
Sehr viel mehr Zeit bleibt nicht.

Du moderierst seit einigen Jahren die Volksmusik aus Franken auf B1. An welches Publikum richtet sich die Sendung? Hat sich das Publikum in dieser Zeit verändert?

Steffi Zachmeier: Es richtet sich an alle, die diese Musik mögen. Ehrlich gesagt, glaube ich den Media-Analysen hinsichtlich der Zusammensetzung von Hörerschaften nicht besonders.

Du arbeitest als Musikerin in verschiedenen Gruppen, als Moderatorin und bisweilen auch als Mundartautorin. Ermöglicht Dir diese Arbeitsweise Freiraum oder überwiegt der Stress?

Steffi Zachmeier: Es gibt da beides: Zeiten, in denen es gemütlich zugeht und Zeiten, in denen der Kalender voll ist bis oben hin und ich kaum noch drüber nachdenken kann, was als nächstes ansteht. Grundsätzlich scheint mir, dass selbständiges Arbeiten stressiger ist, als eine feste Anstellung, und in meinem Beruf noch mehr: Es ist unregelmäßig und ich muss mich dauernd auf neue Umgebungen, neue Situationen einstellen. Genau das ist aber auch sehr reizvoll daran.

Bist Du dort angekommen, wo Du hinwolltest?

Steffi Zachmeier: Eigentlich wollte ich gar nirgends hin. Es hat mich hingelebt. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Postkartenspruch ein, der mir immer gut gefallen hat: „Lass dich treiben. Dein Ziel wird dich finden.“

Was hast Du noch vor?

Steffi Zachmeier: Gern würde ich mehr schreiben, mal sehn, ob es noch klappt in diesem Leben.

Steffi Zachmeier im Netz:
Zachmeier.de
Steffis Zachmusik auf Facebook

Lust auf mehr? Hier eine Liste aller SlowLife-Interviews

  1. Zum Beispiel mit dem Ensemble Sauers Klesmer Orchester.
  2. Bei Wikipedia finden sich Volkskunde und Kulturantropologie.

Autor: Alice Scheerer

Sie sind auf der Suche nach einer Texterin und Online-Redakteurin? betreibt nicht nur dieses Blog, sondern bietet auch Corporate Blogging, Content Marketing und Recherchedienstleistungen an, z.B. für History Marketing. Nutzen Sie das Kontakt-Formular. Mehr Informationen zum Angebot auf alicescheerer.de.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


↑ Back to Top ↑