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Laboratorium für Traditionelles und Historisches

SlowLife-Interview … mit Alexander von Halem

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Alexander von Halem(Bildquelle: Alexander von Halem)

Alexander von Halem, Schlossherr, Winzer, Hotelier, Blogger und Podcaster (Bildquelle: Alexander von Halem)

Bereits 2010 suchte ich auf Twitter den Dialog mit Gleichgesinnten. Eines Tages entdeckte ich in meiner Timeline den Twitternamen @barockschloss.

Ein Twitterer der sich @barockschloss nennt könnte ein Gleichgesinnter sein. Einer der sich für alte Gemäuer interessiert. Ein Klick auf das Profil und ich stellte fest, dass sich Alexander nicht nur für Barockschlösser interessiert, sondern tatsächlich eines besitzt.

Nach Treffen im RL (Real Life) auf der stART-Conference 1, zwei Twitter-Picknicken im Barockschloss und vielen Swundso-Podcasts2 weiß ich eines ganz sicher: Wenn man gerade glaubt, alles über Alexander zu wissen, zieht er den nächsten Wohnort, Beruf und Vereinsvorsitz aus der Tasche. Und das ist auch noch alles wahr!

Viele Gründe also, ihn für slowlifelab zu interviewen.

Du bist nicht auf Schloss Zeilitzheim aufgewachsen, aber weit in der Welt herumgekommen. Ist das Barockschloss das erste historische Gebäude das Du bewohnst?

Alexander von Halem: Meine Kindheit verbrachte ich in einer alten „cottage“ in Glasgow, Schottland. Es war das Haus des Kutschers in einer kleinen Gasse hinter einem großen, herrschaftlichem Anwesen. Das war ein schnuckeliges altes Häuschen. Meine Eltern liebten so etwas, was auch der Grund war, dass sie sich bei der Suche nach einer festen Bleibe für die Zeit nach etwa 18 Jahren im Ausland ein so altes Anwesen wie das 1679 erbaute Schloss suchten.

Ornamente am Eingang

Ornamente am Eingang

Welches Verhältnis hast Du zu alten Gegenständen und Erbstücken? Bist Du ein Bewahrer oder Ausmister?

Alexander von Halem: Von Natur aus bin ich eher Bewahrer und Sammler. Ich zwinge mich in letzten Jahren jedoch öfter dazu Dinge auszumisten. Das hat auch etwas Befreiendes. Dennoch bewahre ich so einige Gegenstände, die eine eigene Geschichte haben, in einer „Seelenheukiste“.

Echte Erbstücke, die bewusst von Generation zu Generation weitergegeben werden, behüte ich natürlich sehr. Meine Sammelsucht habe ich größtenteils ins Digitale ausgelagert, indem ich zum Beispiel in Evernote3 allerlei interessante Recherchen sammele. Dort verstaubt nichts und ist auch schnell wieder gefunden, wenn man es braucht.

Gerade hast Du mit Deinem Geschäftspartner und Helfern die erste Weinernte eingebracht. Wie kamst Du zum Weinbau?

Alexander von Halem: Ich trinke (und rieche vor allem) gerne guten Wein. Als ich mit 18 die Schule abbrach und nach USA auswandern wollte, machte ich in einem Weingut ein bezahltes Praktikum, um mir das Geld für das Flugticket zu verdienen. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Im Jahr 2001 machte ich dann eine von der Regierung von Unterfranken zertifizierte Ausbildung zum „Gästeführer Weinerlebnis Franken”. Die Idee mit dem Weingut hat Heiko, einer von uns drei gleichberechtigten Gesellschaftern des Weingutes Barockschloss an mich heran getragen. Die Idee passte wie die Faust auf’s Auge und so ging das mit der Gründung schnell über die Bühne.

Im College warst Du Vorsitzender einer Bierbrauervereinigung. Was ist spannender, Bier brauen oder Wein keltern?

Alexander von Halem: Spannend ist beides. Aber Wein machen ist eine sehr viel langsamere Geschichte, wenn man die Arbeiten im Weinberg das ganze Jahr über und die Zeit des Gärens und Reifens berücksichtigt. Da steigt die Spannung auf das fertige Naturprodukt schon etwas länger. Bierbrauen ist da eine vergleichsweise kurzfristige Befriedigung!

Brauer, Winzer, Hotelier … welche traditionellen Gewerke hast Du sonst noch ausprobiert? Welche würdest Du gerne ausprobieren?

Alexander von Halem: Ausprobieren würde ich so ziemlich alles gerne. Mit technischem Handwerk bzw. Reparaturen habe ich es aber nicht so. Aber seit einigen Jahren betätige ich mich auch zunehmend im Schlossgarten. Vor allem der Buchsschnitt ist bei den vielen hundert laufenden Metern Buchshecken eine sehr entspannende Aufgabe bei der ich gerne Hörbucher oder Podcasts konsumiere.

Buchshecken, vom Schlosshern selbst geschnitten

Buchshecken, vom Schlossherrn selbst geschnitten

Die Weinernte im Weingut Barockschloss erfolgt ganz traditionell von Hand. Aber wie werden die Trauben weiterverarbeitet? Keltert Ihr selbst?

Alexander von Halem: Ja, bei uns ist ganz viel Handarbeit angesagt. Das gehört zum Konzept, auch dass wir drei diese Handarbeit fast ausschließlich selber erledigen. Das ist auch schonender für den Weinberg, wenn schwere Maschinen nur so wenig wie unbedingt notwendig durch die Zeilen fahren. Gepresst werden die Trauben jedoch maschinell mit einer Presse, die bis zu 2.500 Liter je Pressung verarbeiten kann. Das geschieht aber vor allem aus Gründen der langsamen und schonenden Bearbeitung der Trauben, denn die computergesteuerte Presse steuert zeitgenau verschiedene Arbeitsgänge mit unterschiedlich viel (oder wenig!) Druck. Aber, ja, das Keltern und den Ausbau der Weine machen wir selbst. Dafür sind jedoch in erster Linie Heiko Niedermeyer und nach seinem studienbedingten Exil in Südtirol vor allem Christian Werr zuständig.

Wurde der Keller in dem die neuen Barriquefässer stehen bereits früher als Weinkeller genutzt? Gab es bereits Winzer auf Schloss Zeilitzheim?

Alexander von Halem: Wir haben unsere Barriquefässer4 noch in Stammheim stehen, wo auch der Wein wächst. Der Weinkeller ist uns – nach langfristiger Messung und sogar einem maschinellen Entfeuchtungsversuch – nämlich noch einen Tick zu feucht für diese Fässer. Unsere abgefüllten Flaschen werden jedoch im Schlosskeller lagern. Und, ja, dieser war früher Lagerort für ganz viel Wein, ehe der Weinbau in Zeilitzheim 1922 wegen Einschleppung der Reblaus (was ganz Europa betraf) zum Erliegen kam. Das Ausmaß des Weinbaus im Schloss muss jedoch riesig gewesen sein, denn 1863 wurden unter der Ägide des Grafen Schönborn 16 große Fässer mit jeweils mehreren Tausend Litern (jeweils 4 bis 15 „Fuder“) und anderes Weinzubehör aus dem Schloss verkauft5. Seit den 1970er Jahren floriert der Weinbau in Zeilitzheim und Umgebung jedoch wieder.

Vom Frühjahr bis zum Herbst bist Du mit dem Hotel und der Weinberg ausgelastet. Was machst Du eigentlich im Winter, wenn das Hotel geschlossen und der Wein im Fass ist? Pläne schmieden? Bücher schreiben?

Alexander von Halem: Ganz ohne Arbeit ist der Winter, in dem es Gästen im Schloss zu kalt wäre, nicht. In dieser Zeit reparieren und restaurieren wir oft in Bereichen, die im laufenden Betrieb nicht bearbeitet werden können. Und im Weinberg steht im Januar und Februar der Rebschnitt an. Aber ich nutze die ruhigere Zeit in der Tat für das Ausarbeiten strategischer Pläne und wilder Fantasien, und für den Besuch von Barcamps und Fortbildungen. Jetzt im November (mit Folgelehrgang im März) werde ich einen Aufbaukurs des Gästeführerlehrgangs zum Kirchenführer absolvieren. Auch das @barockschloss Blog wird im Winter besser befüllt. Und dann schreibe ich da noch an mindestens einem Buch, zum Beispiel über meine Jugenderinnerungen in Zeilitzheim…

Gerade hast Du mit Deinem Geschäftspartner und Helfern die erste Weinernte eingebracht. Wie kamst Du zum Weinbau?

Alexander von Halem: Ich trinke (und rieche vor allem) gerne guten Wein. Als ich mit 18 die Schule abbrach und nach USA auswandern wollte, machte ich in einem Weingut ein bezahltes Praktikum, um mir das Geld für das Flugticket zu verdienen. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Im Jahr 2001 machte ich dann eine von der Regierung von Unterfranken zertifizierte Ausbildung zum „Gästeführer Weinerlebnis Franken“6. Die Idee mit dem Weingut hat Heiko, einer von uns drei gleichberechtigten Gesellschaftern des Weingutes Barockschloss an mich heran getragen. Die Idee passte wie die Faust auf’s Auge und so ging das mit der Gründung schnell über die Bühne.

Brauer, Winzer, Hotelier … welche traditionellen Gewerke hast Du sonst noch ausprobiert? Welche würdest Du gerne ausprobieren?

Alexander von Halem: Ausprobieren würde ich so ziemlich alles gerne. Mit technischem Handwerk bzw. Reparaturen habe ich es aber nicht so. Aber seit einigen Jahren betätige ich mich auch zunehmend im Schlossgarten. Vor allem der Buchsschnitt ist bei den vielen hundert laufenden Metern Buchshecken eine sehr entspannende Aufgabe bei der ich gerne Hörbucher oder Podcasts konsumiere.

Mehr Informationen:
www.barockschloss.de
www.weingut-barockschloss.de
zeilitzheim.blogspot.de

Alexander von Halem, castle owner, winemaker, hotelier, blogger and podcaster ((c) Alexander von Halem)

  1. Die stARTConference ist/war eine Konferenz zum Thema SocialMedia und Transmedia Storytelling für Kultureinrichtungen. Mehr dazu auf der stART-Website
  2. Schweinfurt und so ist der regelmäßige Regio-Podcast mit Alexander von Halem und Florian Kohl.
  3. Mehr zu Evernote auf der Evernote-Website
  4. Hier ein Blogpost zu den Barriquefässern des Weinguts Barockschloss.
  5. Mehr zur Geschichte von Schloss Zeilitzheim finden Sie auf der hier.
  6. Mehr über diese Ausbildung und Führungen durch Gästeführer auf der Website Gästeführer Weinerlebnis Franken

Autor: Alice Scheerer

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Ein Kommentar

  1. Danke für den Tipp zu Evernote. Sowas hab ich schon länger gesucht. :)

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