Slow auf der Frankfurter Buchmesse - SlowLife-Links Nr. 13

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SlowLife-Links Nr. 13: Slow auf der Frankfurter Buchmesse

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Ein Stand zum Wohlfühlen: Der KBV-Verlag auf der Frankfurter Buchmesse 2013. Allerdings sind die meisten Krimis keine zeitlosen, nachhaltig sinnhaften Werke.

Ein Stand zum Wohlfühlen: Der KBV-Verlag auf der Frankfurter Buchmesse 2013. Wenn es nur um die Optik ginge, würde von diesem Stand berichten ….

Nur eine einzige Teilnehmerin der Aktion „Wir sind hier in Frankfurt“ hat als Schlagwort „SlowMedia
1“ angegeben.

Ich.

Werden Medien inzwischen komplett nachhaltig produziert und das Adjektiv ist deshalb nicht mehr notwendig? Oder will, anders als 2010, niemand mehr mit dem Begriff ’slow‘ in Verbindung gebracht werden?

Ich habe mich auf der Frankfurter Buchmesse nach Verlagen umgesehen, die sich dem Druck nach immer Neuem widersetzen, die nicht nur schöne, sondern auch lehrreiche Publikationen veröffentlichen und die den Zusammenhang zwischen Geschichte und Gegenwart aufzeigen. Zeitlose Publikationen also, die möglichst vielen Punkten des Slow-Media-Manifests2 entsprechen.

Hier sind meine Fundstücke:

Lebendiges SlowLife beim Landwirtschaftsverlag?

Bereits die Beleuchtung beim Landwirtschaftsverlag ließ mich stutzen. Kaltlichtbirnen tauchten alle Hefte und Bücher in ein grüngraues Einerlei. Dieses setzte sich bei den präsentierten Magazinen fort. Obwohl der Landwirtschaftsverlag über ein breit gefächertes Magazinportfolio verfügt, wurde nur die LandLust präsentiert.

Fürchtete man, potentielle LeserInnen und Werbepartner mit Titeln wie „Forst und Technik“ und „Schweinezucht und Schweinemast“ abzuschrecken? Letzteres hätte ich wohl auch nicht angefasst, aber ich hatte mich schon auf das Stöbern im Verlagsprogramm gefreut. Einige der Fach- und Special-Interest-Zeitschriften sucht man sogar in Bahnhofsbuchhandlungen vergebens.

Leider waren nur Vertriebsspezialisten am Stand des Landwirtschaftsverlages, keine Mitglieder der Redaktion.

Schmökern und Austauschen beim Ulmer-Verlag

Bücher, Sitzgelegenheiten und vor allem: Warmes Licht am Stand des Ulmer-Verlags

Bücher, Sitzgelegenheiten und vor allem: Warmes Licht am Stand des Ulmer-Verlags


Der Verlag Eugen Ulmer hat ein überraschend vielseitiges Programm. Er beglückt nicht nur Freizeitgärtner mit „Kompost aus der Kiste“, sondern auch angehende Selbstversorger, Land- und Forstwirte mit Titeln wie: „Der eigene Wald“, „Baumpflege“ und „Unsere ersten Schafe“. Dabei gelingt zumeist die richtige Balance zwischen ansprechender Bildsprache und tiefer Wissensvermittlung.

Auch der Ulmer-Verlag publiziert einen bunten Strauß unbekannter Fachzeitschriften, wie z.B. die „Kleinbrennerei“, den „Flächenmanager“ und das Magazin „Schafzucht“.

Der Verlagsstand des Eugen Ulmer Verlags wirkte einladend, es gab Sitzgelegenheiten und Ansprechpartner aus allen Verlagssparten.

Der Verlag ist zudem für seine Bloggeraktionen bekannt und auf allen Social Networks3 aktiv.

Leider ist mir das Buch „Schwarzwild-Report – Mein Leben unter Wildschweinen“ erst nach dem Besuch der Buchmesse aufgefallen. Der Autor Heinz Meynhardt wurde als gleichberechtigtes Mitglied in eine Sauenrotte aufgenommen. Da hätte ich zu gerne reingespitzt. Nicht nur, weil der Titel so schön absurd klingt, sondern auch, weil das Buch im Jahre 1977 zum ersten Mal veröffentlicht wurde und noch heute als Standardwerk gilt. Wiederverwenden von Traditionellem par excellence!

Ein weiterer Titel des Verlags Eugen Ulmer ist „Hinterm Stall die Blumen“ von Britta Freith. Mehr darüber in den SlowLife-Links Nr, 10 .

Historisches aus dem Nachbarland

Der Chronos-Verlag aus Zürich veröffentlicht rund um die Themen Kulturgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Technikgeschichte, sowie zu Philosophie, Psychiatrie und Medizin.

Der im Vorbeigehen geschnappte Verlagsprospekt enthält unter anderem das Buch „Buchführung für die Ewigkeit – Totengedenken, Verschriftlichung und Traditionsbildung im Spätmittelalter“.
Am Anfang war das Totengedenken. Je fester dieser Brauch in der Gesellschaft verankert wurde, umso größer wurde der administrative Aufwand zu seiner Bewältigung. Die dabei entwickelten Routinen wurden allmählich auf andere Anwendungsbereiche übertragen. Moderne Verwaltungspraktiken entstanden, so der Autor Rainer Hugener, aus dem Kirchlichen Gedenkwesen. Ob diese Aussage auch auf Deutschland zutrifft?
Außerdem verspricht der Klappentext einen neuen Zugang zu den Mythen über die Entstehung der Eidgenossenschaft.

Verlagsgruppe Husum

Ein zweiter Verlag, den ich im Auge behalten werde, ist die Verlagsgruppe Husum4. Sie ist ein Zusammenschluss von acht Verlagen. Dementsprechend heterogen ist ihr Programm. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich darin einige Wissensquellen verstecken.

Ausblick …

Impression vom Verlagsstand Monsenstein und Vannerdat

Impression vom Verlagsstand Monsenstein und Vannerdat

Auch der Verlag Monsenstein und Vannerdat5 ist genau genommen eine Verlagsgruppe mit unterschiedlichen Ausrichtungen.

Der Oktober-Verlag steht für Literatur, Kritik, Bier und Fußball6.

Der Prospero-Verlag hat neben fantastischen Erzählungen und Krimis auch Zeitgeschichtliches im Programm. Sein Fokus liegt auf der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 2011 öffnete der Verlag ein „Fenster zum Osten“ und veröffentlicht seitdem Krimis aus Polen und Kroatien7.

Eine Anlaufstelle für historisch Interessierte ist das Archiv der Zeitzeugen.

Für Schrauber und Freunde der Technikgeschichte ist die Edition Edition Monsenstein und Vannerdat interessant. Auch sie gibt Neuauflagen alter Sachbücher heraus, allerdings konzentrieren sich die Herausgeber auf Bücher mit Seltenheitswert. Mehr über die Edition Monsenstein und Vannerdat und ein Interview mit Tom van Endert, einem der Verlagsgründer gibt es hier in ein bis zwei Wochen8 zu lesen.

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  1. Mehr zum Begriff SlowMedia bzw. Slow Media auf slowmedia.net
  2. Das Slow-Media-Manifest auf slow-media.net.
  3. Dieser Begriff wurde absichtlich nicht übersetzt. Social Networks bzw. Social Media sind nämlich angesichts des Begriffsverständnisses von „sozial“ im Deutschen, keine „sozialen“ Netzwerke sondern Netzwerke bzw. Medien mit sozialer Interaktion.
  4. Wikipedia über die Verlagsgruppe Husum.
  5. Wikipedia über den Verlag Monsenstein und Vannerdat.
  6. Wikipedia über den Oktober-Verlag
  7. Wikpedia über den Prospero-Verlag
  8. Möglicherweise kommt noch eine Filmkritik dazwischen.

Autor: Alice Scheerer

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2 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für das Lob für den Stand, unser Buchprogramm und unsere Aktivitäten im Social Web. Darüber habe ich mich sehr gefreut und gleich geteilt. Übrigens gibt es für alle, die nicht physisch in den „Schwarzwild-Report“ von Heinz Meynhardt reinschnuppern können, eine virtuelle Leseprobe bei Book2Look: http://b2l.bz/52mDOg

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