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Slow im Kino – Premiere in Stuttgart

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Warten auf die Abfahrt

Warten auf die Abfahrt

Denke ich an Stuttgart, so fällt mir als Erstes „Bahnhof“ ein. Als Zweites „schnarchende Saunaverkäuferin“.

Zum ersten Mal übernachtet habe ich in Stuttgart als Kind, zum Besuch der Pro Sanita, der Internationalen Fachausstellung für Gesundheit und Natur. Die besagte Saunaexpertin nächtigte im gleichen Jugendherbergszimmer.

Anfang des Jahres besuchte ich wieder eine Veranstaltung aus dem Themenbereich Gesundheit & Nachhaltigkeit in Stuttgart. Animiert von @slowthefilm verfolgte ich den Vortrag von Nico Paech. Aufgrund einiger Pannen verpasste ich zwar nicht den Vortrag, aber das Treffen mit @slowthefilm.

Das Kennenlernen holten wir am 23.05.2013 nach, auf der Premiere des Kinofilms „Slow – Langsam ist das neue Schnell“ im Stuttgarter Metropol Kino.

Bahnhof ist immer und überall

Als ich das Cinéma Metropol fotografiere, weil mir die Bögen und die Türen so gut gefallen, denke ich kurz: „Wäre auch ein hübscher Bahnhof.“ und wische den Gedanken gleich weg: „Das sind nur die Auswirkungen einseitiger Berichterstattung über Stuttgart 21.“.

Wir mischen uns unter die Film- und Medienszene und probieren den Traubensaft und Perlwein der Winzergenossenschaft Rohracker , der passend zur regionalen, CO2 neuralen Produktion des Films gereicht wird.

An der Theke fällt mein Auge plötzlich auf den Begriff Bahnhof. An beiden Theken im ersten Stock sind kleine Schautafeln zur Geschichte des Metropol-Theaters angebracht. Bis ins Jahr 1922 war das heutige Kino Bestandteil des ersten Stuttgarter Hauptbahnhofs.

Stuttgart Schlossstraße Bahnhof ca 1850

Erster Stuttgarter Hauptbahnhof, ca. 1850

Die bis heute erhaltenen Teile sind Bestandteile des Neubaus, der das erste Bahnhofsgebäude aus dem Jahre 1868 ersetzte.

Stuttgart Bahnhof Aufriss Schlossstr 1867

Umbau des Stuttgarter Bahnhofs in der Schloßstraße, heute Bolzstraße im Jahre 1867

Front des Metropol Filmtheaters

Front des Metropol Filmtheaters

Die Bauzeit des Neubaus in der damaligen Schloßstraße (heute Bolzstraße) betrug fünf Jahre. 1.

Der Brunnen im Metropol Filmtheater

Der Brunnen im Metropol Filmtheater

Slow der Film

Deko Schnecke bei der Slow Premiere

Deko-Schnecke bei der Slow Premiere

Slow ist ein klassischer Vertreter von Slow Cinema2. Filme dieser Richtung zeichnen sich durch lange Einstellungen aus und verzichten auf Narration.

An Stelle der Erzählung setzt der Regisseur Sascha Seifert die Gehmeditation.

Die Nahaufnahmen von Schnecken bei verschiedenen Anlässen (Überqueren eines mit Split bereuten Weges, Erklimmen eines Grashalms …) werden vom Klang einer Klangschale unterbrochen. Daraufhin folgt die Kalligrafie des Ens? (??, japanisch „Kreis“) , des visuellen Symbols für Zen 3. Im Kreis wird wiederum ein Ausspruch von Thich Nhat Hanh sichtbar, einem der bekanntesten Vertreter des „engagierten Buddhismus“ 4.

In der westlichen Welt gilt Thich Nhat Hanh als Meister des Kinihn, des Gehens als Meditationsform 5.

Achtsam und ohne Fokussierung auf ein Ziel soll der Zuschauer den Schnecken folgen und dabei zur Ruhe finden.

FAZIT

Der Film hinterließ bei mir etwas anderes als ein Film mit Handlung und Akteuren. Filmfiguren beschäftigen mich oft längere Zeit, ich identifiziere mich mit ihnen oder freue mich, nicht an ihrer Stelle zu sein. Da in jeder Einstellung andere Schnecken bzw. Waldtiere gezeigt wurden, blieb das für mich mit Kinofilmen verbundene Identifizieren aus.

An seine Stelle trat ein entspanntes Gefühl, das ich am besten mit „frisch geduscht“ beschreiben kann. Oder mit einem Saunagang, aber ohne nervige Saunaverkäuferin. Das Ziel einer cineastischen Genmeditation wurde vollends erreicht.

Website des Films: Slow – Langsam ist das neue Schnell.

Blog von Johannes Brehme (Presse & Marketing für den Film Slow): www.johannes-brehme.com/<

  1. Der Bau des aktuellen, umstrittenen Bahnhofsgebäudes zog sich übrigens von 19914 bis 1928, er verzögerte sich wegen finanzieller Probleme. Mehr bei Wikipedia.
  2. Wikipedia über Slow Cinema.
  3. Der Kreis soll Leerheit und Vollendung verkörpern. Mehr über Zen bei Wikipedia.
  4. Der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh ist neben dem Dalai Lama einer der Schirmherren des Internationales Netzwerks Engagierter Buddhisten. http://de.wikipedia.org/wiki/INEB Das Netzwerk vernetzt lokale, nationale und globale Initiativen, die der buddhistischen Geisteshaltung entsprechen.
  5. Mehr über Kinihn bei Wikipedia.

Autor: Alice Scheerer

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