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SlowLife-Media: „Hinterm Stall die Blumen“

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Cover: Britta Freith/Bigi Möhrle: Hinterm Stall die Blumen

Buchrezension zum Buch „Hinterm Stall die Blumen“ von Britta Freith mit Fotos von Bigi Möhrle

Ehrlich gesagt hab ich ja ein gespaltenes Verhältnis zu großformatigen Bildbänden. Einerseits verheißen sie entschleunigtes Genießen, andererseits wenig dauerhaften Informationswert oder gar nachhaltiges Wissen.

„Hinterm Stall die Blumen – Landfrauen und ihre Gärten“ ist anders. Echte Bäuerinnen von Flensburg bis nach Kärnten geben Einblick in ihren Alltag und Tipps zum Selbstversorgen aus dem Garten. Genau das Richtige für jemanden, der gerne am Modell lernt 1.

Die Autorin Britta Freith hat mit Unterstützung des Deutschen LandFrauenverbandes2 13 Frauen auf sehr unterschiedlichen Höfen gefunden und besucht. Von der Großbäuerin mit über 800 Kühen, Rindern und Bullen über die Ökobäuerin und Teefabrikantin bis hin zur Müllerin war alles vertreten.

Eine Familie kam mir bekannt vor: Durch die „Schwarzwaldgeschichten“ hat die Familie Schwär in St. Märgen eine gewisse Prominenz erlangt 3.

Atmosphäre eingefangen

Als Erstes fiel mir die Beschreibung der Atmosphäre auf. „… man kann die Landschaft hören. Das beständige Plätschern der Quelle in den Trog steht für das Wasser im Tal.“.

Hier liegt der Geruch von frisch gemahlenem Korn auch dann in der Luft, wenn das Mahlwerk gerade nicht läuft.

Vielleicht liegt es an ihrer Erfahrung als Rundfunkjournalistin, dass es der Autorin tatsächlich gelingt, die Atmosphäre der Höfe erlebbar zu machen. Diese Beschreibungen machen „Hinterm Stall die Blumen“ neben den sympathischen Bildern tatsächlich zu einem Buch für alle Sinne.

Das Making-Of von „Hinterm Stall die Blumen“

Für jeden etwas dabei

Die eine Landfrau vermeidet jeglichen Torf, die andere lagert ihr Gemüse in Torf ein. Die eine liebt es, Fremde durch ihren Garten zu führen, die andere ist froh, diese Zeit hinter sich zu wissen. Manche lieben Rosen, den anderen machen sie zu viel Arbeit … Hier findet jeder sein Rollenmodell ohne polarisierende Wertung wieder.

Eines eint die Landfrauen von Nord bis Süd: Der Kampf gegen die Schnecken.

Von jeder Bäuerin kann man etwas lernen. Ich weiß nun, das ich Kräuter nicht nur einfrieren und trocknen, sondern in getrockneter Form auch verräuchern kann. Und der Tipp mit dem Jutesack in der Brennesseljauche ist Gold wert!

Da die Landfrauen rund um die Uhr beschäftigt sind, sind die in „Hinterm Stall die Blumen“ vorgestellten Rezepte durchweg einfach nachzumachen. Die Tipps der Teekräuter-Expertin und die Artemisia-Rezepte von Ursel Oelkrug haben mir besonders gut gefallen.

Sogar Nähtipps sind enthalten. Nach den Erfahrungen der letzten Brombeerernte spiele ich mit dem Gedanken, die Ernteschürze nachzunähen.

Nur die Aussage, dass Kapuzinerkresse gut gegen Blattläuse sein soll (S.36), kann ich nicht ganz glauben.

Historisches

Obwohl explizit moderne Landfrauen zu Wort kommen, erfährt man auch Geschichtliches. Wer sich beispielsweise gefragt haben sollte, warum manche Höfe in Norddeutschland von großen Eichen umgeben sind, dem sei gesagt: Damit die Nachbarn bei einem Brand nicht von umherfliegenden Speckseiten getroffen werden.
Alle Bäuerinnen wohnen in alten, traditionellen Gebäuden, die das Herz jedes Denkmalschützers höher schlagen lassen.

Der Anhang ist ausbaufähig

Das Glossar im Anhang ist ein guter Ansatz um das Buch zu einer längerfristig verwendbaren Wissensquelle zu machen. Es könnte um einiges länger sein.
Zum Beispiel fehlen Informationen zu den im Buch erwähnten Weiterbildungen, z.B. zur Gartenbäuerin oder zur Kräuterpädagogin. Eine Kurzbeschreibung der Weiterbildungen und weiterführende Verweise würden die nächsten Ausgabe des Buchs ideal ergänzen.

Der Anhang enthält zudem die Adressen der dreizehn Höfe, ergänzende Buchtipps (auch aus konkurrierenden Verlagen!) und Links zu vertiefenden Websites.

Fazit

„Hinterm Stall die Blumen – Landfrauen und ihre Gärten“ ist mehr als nur ein Bildband. Es liefert einen Einblick in die Welt der Landwirtschaft, vielseitige Tipps und Rezepte und weiterführende Informationen.

Trotz, genaugenommen aufgrund seiner frühlingshaften Aufmachung eignet es sich hervorragend als Weihnachtsgeschenk.
Beim Lesen kann man nämlich wie Christine Grabichler aus Weyarn-Standkirchen passende Duftmischungen verräuchern, dazu ein paar Stücke Kletzenbrot nach dem Rezept von Leni Kühn essen und sich auf das nächste Gartenjahr freuen.

Blick ins Buch

Mehr zum Buch von Britta Freith

Hinterm Stall die Blumen. Landfrauen und ihre Gärten.
ISBN: 978-3-8001-7894-0
Preis für das Buch: € 29,90
Preis für die PDF-Ausgabe: 22,99
Bestellbar auch direkt beim Ulmer-Verlag.

Autor: Alice Scheerer

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