Prolog zu HEIMAT 4 -Die ganze Stadt spricht über den Film!

SlowLifeLab

Laboratorium für Traditionelles und Historisches

Die ganze Stadt spricht über den Film! Prolog zu HEIMAT 4

| Keine Kommentare

Filmpause nach zwei Stunden HEIMAT 4

Filmpause nach zwei Stunden HEIMAT 4

„Ihr müsst früh losgehen, die ganze Stadt spricht über den Film und das Union hat doch nur 111 Plätze!“

Nicht auszumalen, wenn wir von Heidelberg nach Kaiserslautern gefahren wären, um dann vor einem überfüllten Kino zu scheitern. Wir machten uns bereits eine Dreiviertelstunde vor Filmbeginn auf den Weg. Dieser dauerte zum Glück nur 10 gemütlich geschlenderte Minuten.

Der Film, für den wir eine Reise mit Übernachtung in Kauf nahmen ist „Die andere Heimat“ und wurde zum Kinostart am 03.10.2013 in 63 Kinos deutschlandweit gezeigt 1. Drei Wochen danach startete der „Die andere Heimat“ in Kaiserslautern2.

Im Kinofoyer sind wir fast alleine. Eine Frau hat es sich auf einem alten Ledersofa bequem gemacht und blickt in ihr Smartphone. Zehn Karten wurden im Voraus verkauft, erklärt die Kartenverkäuferin.

Zehn Minuten später ist das Foyer voll. Etwa dreißig andere scheinen unsere Befürchtungen zu teilen und drängen zur Kasse. Ein Querschnitt durch ganz Kaiserslautern? Mitnichten.

Kaum einer der frühen Besucher ist jünger als 60. Die die Haarfarben changieren zwischen grauem Bubikopf und Glatze. Kurz vor Filmbeginn wird der Altersdurchschnitt von einem Vater mit Sohn gesenkt. Ein Drittel der Sitze bleibt leer.

Ist „Die andere Heimat“ ein Film für die Generation 60plus?

Wenn man davon absieht, dass sich an schnelle Wechsel gewöhnte Mittzwanziger auf die langen Einstellungen des Films einlassen müssen, bietet der Film Anknüpfungspunkte für jede Generation.

Der Grund für das einseitige Publikum ist vielmehr in der Ausstrahlung der HEIMAT-Trilogie im öffentlich rechtlichen Fernsehen zu suchen. Das HEIMAT-Thema ist fast 30 Jahre alt und hat ein treues Publikum gefunden. Die HEIMAT-Fans sind mit ihrer Serie und ihren Regisseur Edgar Reitz – pardon – älte geworden.

Die HEIMAT-Trilogie

Die ersten elf HEIMAT Episoden, „Heimat – Eine deutsche Chronik“, wurden im Herbst 1984 ausgestrahlt, in einer Zeit also, in der es nur drei Fernsehprogramme gab. Verschiedenste Bewohner des Hunsrückdorfes Schabbach führen exemplarisch durch die deutsche Geschichte zwischen 1919 und 1982. Die zentralen Figuren sind ist Maria und Paul Simon, gespielt von Marita Breuer und Michael Lesch.
Edgar Reitz war der erste Regisseur, der den verfehmten Begriff „Heimat“ neutral bis positiv konnotierte 3.

Die Besucher der „anderen Heimat“ an diesem Abend waren damals zwischen 30 und 45 Jahre alt.

Im Jahre 1992 wurde die nächste Heimat-Serie ausgestrahlt: HEIMAT – Chronik einer Jugend. Herrmann, ein Sohn Marias, zieht es zum Musikstudium in die Großstadt. Diesmal beschreibt Edgar Reitz die Sechziger Jahre aus der Sicht verschiedener Studenten4.

Fühlten sich die Besucher der „Anderen Heimat“ darin wiedererkannt, oder zogen sie die Folgen der ersten Heimat vor?

Die dritte Serie, „HEIMAT3 -Chronik einer Zeitenwende“ spielt zischen 1989 und 2000. Bereits ergraut kommt Herrmann endlich mit seiner Jugendliebe Clarissa zusammen. Die beiden renovieren mit aus dem Osten mitgebrachten Handwerkern 5 ein Fachwerkhaus und haben Konflikte um Nähe und Berufstätigkeit wie sie viele Ehepaare kennen. Bisweilen wir es auch komisch.

Gegen Ende erkrankt Clarissa an Krebs. Auch das fiktive Dorf Schabbach verändert sich. Russlanddeutsche werden in den verlassenen amerikanischen Kasernen einquartiert. Hermanns Bruder Anton wird als erster eingeäschert. Es gibt Neubauten und Neubürger6.

HEIMAT3 wird gekürzt in der ARD gesendet und von einigen Kinos als zwölfstündige Kinoversion7 aufgeführt. Auch das UNION-Theater in Kaiserslautern war darunter.

Waren die Besucher der „Anderen Heimat“ Wiederholungstäter, die das Kinoerlebnis von damals reizte?

Mein Bezug zu HEIMAT

Bei der Erstausstrahlung war ich 8 Jahre alt und habe einen Teil der Filme wohl auch gesehen. Erinnern kann mich nicht mehr daran. Es gab sogar einen Bildband zur ersten Staffel bei uns zu Hause.
Aber auch wenn ich mir die Bilder angesehen habe, so konnte ich damals, anders als ältere Generationen, keinen Bezug zu meiner Lebenswirklichkeit erkennen. Ich hatte, anders als z.B. meine Mutter, keine Großtanten, die noch tagein-tagaus schwarz gekleidet waren und deren Kleidung entfernt an eine Tracht erinnerte.
Ich hatte nie eine Hausschlachtung erlebt, war nie auf dem Feld gewesen und hatte auch nie Leckschmier bzw. Latwerge8 gekocht. Es gab also nichts, was ich wiedererkennen könnte.

Die änderte sich bei der „Zweiten HEIMAT“. Ich war zwischen 16 und 18 Jahre alt. Weggehen, Leute kennenlernen, sich ausprobieren war das zentrale Thema. Darin waren die Serie und ich uns einig.

Zu „HEIMAT – eine deutsche Chronik“ kam ich erst vor einigen Jahren zurück, in Zeiten der Finanzkrise, als Rückkehr zur Tradition und zur Selbstversorgung plötzlich aktuell wurden.
Vor einem Jahr (2012) habe ich auf dem Blog der Fernsehfreundin mehr zum Thema HEIMAT geschrieben. Anlass war die weihnachtliche Blogwichtelaktion des weltbesten Netzwerks Texttreff.

Nach einem auf die Zielgruppe des Kinos ausgerichteten Werbeblock (Vorschau auf die„Slow Food Film Story“, Werbung für den Weltladen und das Pfalztheater …), untermalt von Oskar Sala9, und einem Kurzfilm, begann der eigentliche Film.

Und woran erinnern sich die Leser von slowlifelab ??? Ich bin gespannt auf Kommentare!

  1. Quelle: Website von Edgar Reitz, abgerufen am 22.10.2013.
  2. Eine aktuelle Übersicht der Kinos in denen „Die andere Heimat“ gezeigt wird unter Filmstarts.de.
  3. Mehr über den ersten Teil der HEIMAT-Trilogie auf der HEIMAT-Fanpage und bei Wikipedia.
  4. Mehr über ‚Die Zweite Heimat – Chronik einer Jugend‘ auf der HEIMAT-Fanpage und bei Wikipedia.
  5. Darunter der Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle.
  6. Mehr über den dritten Teil, HEIMAT3 -Chronik einer Zeitenwende auf der HEIMAT-Fanpage.
  7. Aufgeteilt in zwei mal 6 Stunden. Hier ein Bericht von der Premiere.
  8. Etymologisches zu Leckschmier und Latwerge z.B. auf einer Website der Uni Thrier und am 25.10.2013 noch auf Wikipedia
  9. Mehr über Oskar Sala bei Wikipedia.

Autor: Alice Scheerer

Sie sind auf der Suche nach einer Texterin und Online-Redakteurin? betreibt nicht nur dieses Blog, sondern bietet auch Corporate Blogging, Content Marketing und Recherchedienstleistungen an, z.B. für History Marketing. Nutzen Sie das Kontakt-Formular. Mehr Informationen zum Angebot auf alicescheerer.de.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.



↑ Back to Top ↑

(C)2013-2015 Alice Scheerer Text und Online-Redaktion Neckargemünd bei Heidelberg

Proudly powered by WordPress | Theme: Yoko von Elmastudio

Top