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Für Weihnachsfans: Weihnachsschmuck nach dem Dreikönigstag?

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Weihnachtsschmuck nach Dreikönig?

Weihnachtsschmuck nach Dreikönig?

Wir sind Weihnachtsfans. Vermutlich, weil wir Kuschelfans sind. Sobald die ersten Blätter fallen, packe ich für #menschlein die Weihnachtslieder-CDs aus. Die ersten Lebkuchen stellen mich auf eine schwere Probe. Sie stehen viel zu früh in den Regalen und lassen uns schon im September von dieser mummelige Kuscheligkeit träumen, von trüben Sonntagnachmittagen mit dicken Wolldecken, Kerzen und Tee mit Kandis.

Eine Krippe gab es bei unseren Eltern nicht, für #menschlein baue ich nun jedes Jahr eine auf, die Krippe von Playmobil 1. Dieses Jahr habe ich sogar versucht, die aus zwei Evangelien zusammensetzte Weihnachtsgeschichte2 nachzubilden und ließ die Josef und Maria, die Hirten und die Heiligen drei Könige erst nach und nach in die Krippe einziehen.

Nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag schien für #herzblatt Zeit abzuschmücken und die Krippe zu verstauen. Ohne mich, schließlich hatte ich gehört, die Weihnachtszeit reiche bis zum 02. Februar. Nach ein paar Tagen Diskussion (“Aber heute könnten wir doch das Zeug auf den Speicher bringen!”) war #herzblatt verstummt und #menschlein konnte beruhigt mit seiner Krippe spielen (“Her mit den Schafen, oder ich pust’ Dir die Lampe aus!”).

Nach Silvester landeten die ersten abgeschmückten Tannen vor unserer Haustüre, was zum ersten Anruf beim Ordnungsamt in meinem Leben führte. Schließlich musste ich klarstellen, dass dies nicht mein Baum und ich wisse, wann die Weihnachtszeit zu Ende sei! Die Weihnachtsbäume würden am ersten Wochenende nach dem Dreikönigstag abgeholt, gab man mir zur Auskunft. Dreikönig?

Nachdem sogar die Else Kling unserer Nachbarschaft ihren überbordenden Schmuck nach dem 06. Januar restlos entfernt hatte, wurde ich stutzig. War ich einem Irrtum erlegen? Wann ist Weihnachten wirklich vorbei?

Es war Zeit für eine Recherche.

Woher kommt der Weihnachtsbaum?

Seinen Ursprung hat der Weihnachtsbaum (oder Christbaum, wie er im süddeutschen Raum auch genannt wird) im Paradiesbaum. Im Rahmen des Weihnachtsgottesdienstes wurde der Sündenfall im Rahmen eines sogenannten “Paradiesspiels” nachgespielt. Den verbotenen Baum stellte, in Anbetracht der Jahreszeit, ein mit Äpfeln geschmückter, möglicherweise immergrüner Baum dar 3.

Der Weihnachtsbaum wird überregional

Einen wesentlichen Anteil an der Verbreitung des Weihnachtsbaumes
als deutschem Festsymbol hatte der Deutsch-Französische Krieg 1870/71, in dem Weihnachtsbäume in Unterständen, Lazaretten und Feldlagern aufgestellt wurden. Auch unsere französischen Nachbarn wurden zu diesem Anlass auf den Weihnachtsbaum aufmerksam. Aber erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden überall in Deutschland Weihnachtsbäume aufgestellt. Soldaten aus verschiedenen Regionen hatten mehrere Jahre zusammen verbracht und dabei Bräuche aus anderen Regionen kennengelernt 4. Erst durch die Ehe von Queen Victoria und Albert von Sachsen-Coburg und Gotha 5 wurde der Weihnachtsbaum auch im angelsächsischen, puritanischen Raum bekannt.

Wann beginnt die Adventszeit?

Ursprünglich, in der katholischen Kirche sogar bis in das Jahr 1917, war die Adventszeit eine Fastenzeit. In der orthodoxen Kirche ist sie das sogar bis heute6. Eine Zeit ohne Lebkuchen!

Die Adventszeit begann ursprünglich am 11.11.. Ab dem 7. Jahrhundert zählten zwischen vier und sechs Sonntage vor der Geburt des Herren zum Advent der römischen Kirche. Erst Papst Gregor der Große legte die Zahl der Adventssonntage auf vier fest. Bis heute halten einige Diözesen am Ambrosianischen Ritus mit seinen sechs Adventssonntagen fest7.

Wann endet die Weihnachtszeit?

Ist der Beginn der Weihnachtszeit in den verschiedenen christlichen Kirchen noch einigermaßen klar, so ist ihr Ende tatsächlich umstritten. Alle Lexika in unserem Haus, darunter MEYERS LEXIKON von 1930, datieren das Ende der Weihnachtszeit auf den 06. Januar (Epiphanias, Dreikönig).

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 19638 erstreckte sich die Weihnachtszeit in der römisch katholischen Kirche bis zum Fest der “Darstellung des Herrn” am 02. Februar (volkstümlich Mariä Lichtmess).

Genau genommen endet Weihnachtsfestkreis in der evangelischen Kirche erst am letzten Sonntag nach Epiphanias. Die Epiphaniaszeit wird terminiert durch die dreiwöchige Vorfastenzeit 9. Für das Jahr 2015 bedeutet dies: zwischen dem 06. Januar und dem Sonntag vor Aschermittwoch liegen 5. Sonntage. Hiervon werden drei Wochen Vorfastenzeit abgezogen, wodurch wir beim 25.01.2015 landen.

Fazit für Weihnachtsfans

Für evangelisch geprägte Weihnachtsfans wie uns bedeutet dies: Entweder wir halten uns an die Epiphaniaszeit als Verlängerung der Weihnachtszeit, oder wir halten es wie viele evangelische und katholische Gemeinden und betrachten den 02.02. als altes Brauchtum, an dem wir freiwillig festhalten10.

Bis zum 20.02.2013 bleibt unser Weihnachtsschmuck und auch der Weihnachtsbaum im Schaufenster auf jeden Fall stehen, und die Krippe bestimmt noch länger.

Vielen Dank an den Schweinfurter Citypfarrer Heiko Kuschel für entscheidende Hinweise.

  1. Die Weihnachtskrippe ist nicht, wie ich annahm, ein rein katholischer Brauch. Insbesondere der Einsatz von Gustav Wilhelm Jahn förderte die Verbreitung der Krippe in evangelischen Kirchen und Haushalten. Er führte als Anstaltsleiter der Züllchower Anstalten die Herstellung von Krippenfiguren durch die Insassen ein. Mehr zur Entwicklung der Weihnachtskrippe bei Wikipedia.
  2. Die Weihnachtsgeschichte bei Wikipedia
  3. vgl. ebenfalls “Kirchliches Weihnachtsbrauchtum in Westfalen” und Wikipedia zum Thema Weihnachtsbaum.
  4. vgl. Ergebnisse und Erläuterungen einer Umfrage zum Thema “Kirchliches Weihnachtsbrauchtum in Westfalen”.
  5. vgl. den Beitrag von Daniela Dreuth “Thüringer Weihnachtstraditionen” und den Beitrag zum Thema Weihnachtsbaum bei Wikipedia.
  6. Sehr aufschlussreich ist hierzu der Vergleich der Kirchenjahre auf Wikipedia und das daskirchenjahr.de, sowie die Übersicht der Fastenzeiten auf Wikipedia.
  7. Quelle: Wikipedia über den Advent
  8. vgl. die Liturgiereform bei Wikipedia
  9. Das Kirchen-ABC des Kirchenkreis Ostholstein gibt, anders als die anderen Nachschlagewerke, das Ende der Epiphaniaszeit direkt an.
  10. Das katholische Portal kath.de erwähnt diese Tradition und auch die Brauchtumsseiten.

Autor: Alice Scheerer

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