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Laboratorium für Traditionelles und Historisches

Kaiserslautern, aus der Ferne betrachtet

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Bogenfenster in der Parkstraße, aufgenommen im Dezember 2009

Bogenfenster in der Parkstraße, aufgenommen im Dezember 2009


Noch drei Tage bis zum ITT, dem jährlichen Treffen des Netzwerks Texttreff. Nach Berlin, Düsseldorf und Wien sollte Prag folgen. Stattdessen wurde meine Heimatstadt Kaiserslautern überraschend zum Austragungsort. Die Autorin und Texterin Heike Abidi hatte sich dafür eingesetzt.
Die Mitarbeit beim Vorbereiten des Treffens, unter Federführung von Heike Abidi, hat viele Erinnerungen wachgerufen. Zu meiner Überraschung ausgerechnet die positiven. Damals, mit den üblichen Pubertätsproblemen, fand ich Kaiserslautern und seine Einwohner total schrecklich.

Alice wandert durch die Straßen. Erlebt 1992, gezeichnet ca. 1998.

Alice wandert durch die Straßen. Erlebt 1992, gezeichnet ca. 1998.


Heute erinnere mich daran, wie ich im Winter durch die Straßen Kaiserslauterns wanderte und feststellte, dass die Stadt gar nicht so hässlich ist, wie sie mir auf den ersten Blick vorkam. Der Anblick der verbliebenen Altbauten hatte etwas sehr Tröstliches. „Wer hier wohnt, ist bestimmt glücklich und zufrieden. Eines Tages wohne ich auch in einem schönen Altbau. Mit viel Stuck und hübschen Fensterrahmen“.

Eine Villa aus der Jahrhundertwende ist es nicht geworden. Auch kein Siedlungshaus aus den Zwanzigerjahren, mit weißgelackten Türen. Dafür aber ein Fachwerkhaus. In Kaiserslautern hätte ich so etwas sicher nicht bekommen.

Die Denkmaltopographie

Die Kulturdenkmäler der Stadt Kaiserslautern, bezogen über die <a href="http://www.pfalz-buchhandlung.de/x/Staedte-Pfalz/Stadt-Kaiserslautern-Kulturdenkmaeler::320.html">Pfalz Buchhandlung

Die Kulturdenkmäler der Stadt Kaiserslautern, bezogen über die Pfalz Buchhandlung

Zur Feier des ITT habe ich mir die Denkmaltopographie Kaiserslauterns geleistet. Endlich mehr Wissen über die Gebäude, die ich damals so schön fand. Zudem besitze ich nun eine Ausgabe von „Streiflichter durch die Wirtschaftsgeschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern und Umgebung“ und lerne mit jeder Buchseite eine neue Seite Kaiserslauterns kennen.

Für Kaiserslauterns Ruf als hässliche Stadt gibt es zwei Gründe. Der eine ist natürlich die Bombardierung Kaiserslauterns im zweiten Weltkrieg. Kaiserslautern war keine kriegswichtige Stadt, aber auch kein Sammelbecken des Widerstands. Sie beherbergte mit den Eisenwerken, dem Guss- und Armaturenwerk, Pfaff und der Kammgarn große Industrieunternehmen und dazu viele Kleinunternehmen. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auf die Liste der zur Zermürbung zu bombardierenden Städte gelangte.

Der zweite Grund ist ein fehlgeleiteter Bauwahn von den Siebziger- bis zu den Achtzigerjahren. Nach dem Besuch der Ausstellung „Unsere Stadt vor 70 Jahren – Bombenhagel auf Kaiserslautern“1 wird klar: Jede durch Bombardierung entstandene Baulücke wurde mit gesichtslosen Kuben gefüllt. Unzerstörtes, wie Fachwerkbauten in der Altstadt und das Pfaffbad, wurde nachträglich dezimiert.

Bombenhagel auf Kaiserslautern - Karl-Richard Albus (rechts) organisierte die Ausstellung, Wilhelm Barz (links) gestaltete die Plakate

Bombenhagel auf Kaiserslautern – Karl-Richard Albus (rechts) organisierte die Ausstellung, Wilhelm Barz (links) gestaltete die Plakate

Aber zwischen den Kuben und Hässlichkeiten gibt es immer noch viele Kleinode zu entdecken.

Symmetrischer Bau in der Parkstraße

Symmetrischer Bau in der Parkstraße


Erleuchtetes Fenster am Musikerplatz (aufgenommen 2009)

Erleuchtetes Fenster am Musikerplatz (aufgenommen 2009)


Renovierte Altbauten am Bahnhof

Renovierte Altbauten am Bahnhof

  1. Die Ausstellung wird bis zum 03.Oktober im Friedrich-Krieg-Haus in der Brüderstraße 1 und vom 06. Oktober 2014 bis zum 06.11.2014 im Foyer des Rathauses gezeigt. 2015 ist eine Publikation der Rechercheergebnisse geplant.

Autor: Alice Scheerer

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