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Blogwichteln: Thüringer Weihnachtstraditionen

Texttreff Blogwichteln

Huch! Plötzlich ist da ein Beitrag über Thüringer Weihnachtstraditionen! Wir waren doch gar nicht in Thüringen?! Da muss ein Blogwichtel seine Finger im Spiel gehabt haben….

War das etwa Daniela Dreuth, die Lektorin aus Wipfratal1?

Mal sehen, was uns der Blogwichtel gebracht hat …

Welche Weihnachtsbräuche sind typisch für Thüringen? Die Beantwortung dieser Frage sollte mir leichtfallen. Schließlich bin ich erst vor gut dreizehn Jahren in dieses Bundesland gezogen, da fallen Unterschiede auf. Aber langes Überlegen brachte nichts zutage. Natürlich bin ich auf zahlreiche Bräuche gestoßen, die ich vorher noch nicht kannte: die wundervoll geschmückten Osterbrunnen, der Strohbär an der Kirmes, das Fichtensetzen bei (Silbernen, Goldenen) Hochzeiten oder der Laternenumzug, der in Erfurt nicht zu Ehren des Heiligen Martins stattfindet, sondern anlässlich Luthers Geburtstag (natürlich am Namenstag des Heiligen). Aber Weihnachten?

Also begann ich zu recherchieren und stellte fest: Einige Weihnachtsbräuche stammen aus Thüringen und haben sich von hier aus im ganzen Land verbreitet.

Margarethe Luther (Quelle: Wikimedia commons)So soll es das Ehepaar Luther gewesen sein, das seine Kinder und Bediensteten nicht mehr an Nikolaus beschenkte – die Heiligenverehrung hatte Luther schließlich abgeschafft – sondern an Heiligabend.

Der Weihnachtsbaum ist schon seit dem ausklingenden Mittelalter in Quellen aus verschiedenen Regionen verbürgt. Früher war es üblich, ihn mit Nüssen, Äpfeln, Papier oder Zuckerzeug zu schmücken. Es waren die Glasbläser aus dem thüringischen Lauscha2, die auf die Idee kamen, ihre Bäume mit gläsernen Kugeln zu schmücken.

Wilhelm Hey (Quelle: Wikimedia commons)Im nahe gelegenen Ichtershausen gibt es eine Wilhelm-Hey-Schule. Lange habe ich nicht gewusst, dass es sich bei dem Namensgeber um den Dichter eines der bekanntesten Weihnachtslieder handelt3: „Alle Jahre wieder“. Auch das berühmte „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ stammt aus der Feder Heys. „O du fröhliche“ wurde von Johannes Daniel Falk4 1816 in Weimar geschrieben und „Vom Himmel hoch“ stammt von Luther.

In Bezug auf Weihnachten und die Adventszeit unterscheidet sich Thüringen scheinbar wenig vom Rest des Landes: „Der Thüringer“ isst gerne Stollen und anderes Weihnachtsgebäck, backt hingebungsvoll Plätzchen (miniklein, das ist wirklich typisch und eine Herausforderung an die Geduld der zugezogenen Bäckerin!), stellt einen Schwibbogen ins Fenster, dekoriert seinen Vorgarten oder Balkon mit Lichterketten, schlägt seinen Baum gerne selbst im Wald, geht an Heiligabend in die Kirche, um sich das Krippenspiel anzuschauen, auch wenn er mit selbiger das restliche Jahr über nicht viel zu tun hat, und wartet anschließend auf den Weihnachtsmann – das Christkind kommt als Folge der DDR nur noch bei den christlichen Familien.

Königin Victoria und Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha mit ihren Kindern Weihnachten 1848 (Quelle: Wikipedia)

Vor zwei Wochen bewichtelte ich die fernsehfreundin mit einem Beitrag über die Heimat-Trilogie. Die fernsehfreundin schrieb wiederum im Blog von Susanne Ackstaller, aka Texterella über Downtown Abbey.

  1. Wikipedia über Wipfratal
  2. Wikipedia über Lauscha.
  3. Wikipedia über Wilhelm Hey.
  4. Wikipedia über Johannes Daniel Falk.

Autor: Daniela Dreuth

Daniela Dreuth schreibt in ihrem Blog Wortakzente vor allem Rezensionen von Büchern für Erwachsene. Im Kinderohren-Blog rezensiert sie Hörbücher und Bücher für Kinder, Kinder- und Familienreiseführer und Elternratgeber. Beruflich ist Daniela Dreuth als Lektorin tätig, mehr dazu unter Optimumtext.de.

4 Kommentare

  1. Ha, also doch! Ich hatte schon einen Absatz über die thüringische Herkunft des Stollens geschrieben, weil mir das so geläufig ist, als ich eine anderslautende Quelle fand, die ihn in Sachsen verortete. Deshalb habe ich den Abschnitt lieber gestrichen. Aber heute berichtet auch die Thüringer Allgemeine Zeitung entsprechend: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Thueringer-Stollen-schmeckt-auch-in-New-York-505383510

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