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Bettwärmer, Bettflaschen und andere Wärmespender

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Noch sind die Nächte kalt, erst recht in einem Fachwerkhaus wie unserem. Wir haben inzwischen gelernt, Wolldecken zu lieben – und Wärmflaschen.

Bettwärmer oder Bettflasche? Verschiedene Namen und Formen

Ein neuer Bettwärmer aus verzinktem Metall mit Schraubdeckel aus Messing.

Ein neuer Bettwärmer aus verzinktem Weißblech mit Schraubdeckel aus Messing.

Nicht ohne Grund hat der Ingenieur, Sammler und Sachbuchautor Georg Huber den Begriff Wärmespender als Oberbegriff für die Fülle an Ausprägungen und Synonymen vorgeschlagen 1. Ein paar Namen, Modelle und ihre Herkunft möchte ich im folgenden Abschnitt vorstellen.

Im nächsten Blogpost gehe ich auf die für/als Wärmespender verwendeten Materialien ein und prüfe deren Wiederverwendbarkeit in Gegenwart und Zukunft.

Kruke, Wärmkruke

Der Begriff Kruke2 stammt aus dem Plattdeutschen bzw. Niederdeutschen 3 und bedeutete ursprünglich „Krug“. Inzwischen hat Kruke zwei zusätzliche Bedeutungen:

  • Ein ovales (Kupfer)-behältnis mit einem Schraubverschluß, in das etwa 2 Liter heißes Wasser gefüllt wurden.
  • Das Abgabegefäß für in der Apotheke gemischte Salben.

Als eingefleischter Fan der Katze mit Hut möchte ich an dieser Stelle auf „Stackeln an der Kruke“ hinweisen, den Wohnort der Katze. Die Kruke wird im Buch und Film als bescheidener Fluss beschrieben 4.

Wärmepfanne

Eine Wärmepfanne gehörte zur Dekoration, als wir die Gaststätte übernahmen. Obwohl ich Altes und Bewährtes gerne ausprobiere, nahm ich instinktiv von dieser Konstruktion Abstand.

Eine Wärmepfanne ist eine Pfanne mit meist kunstvoll durchlöcherten Deckel. Die Pfanne wird mit glühenden Kohlen gefüllt und mit Hilfe des langen Stiels unter die Bettdecke geschoben und hin und her bewegt. Aufgrund der Brandgefahr verblieb sie vermutlich nur kurz im Bett.

Wärmepfannen kamen laut dem Museum Schloss Moritzburg Zeitz im 17. Jahrhundert auf, als es Mode wurde, sich des Nachts dünner zu kleiden 5.

Erst im Jahre 1808 wurde ein Patent auf die Wärmepfanne angemeldet und erteilt. Der in Paris lebenden Kupferschmied Schulders schützte die Öffnungen der Wärmepfanne mit einer Bekrönung und machte sie damit feuersicherer 6.

Bisweilen wird die Wärmepfanne auch Bettpfanne genannt, was zu pikanten Verwechslungen führen kann7 .

Bettflasche

Anders als der Begriff Wärmflasche, der eine ortsunabhängige Nutzung des Objekts impliziert, ist mir der Begriff „Bettflasche“ von Kindheit an vertraut. Die Doppeldeutigkeit des Begriffs und die mit seiner Verwendung verbundene Irritation lernte ich erst später kennen.
Laut G. Holtmann8 wurde der Begriff Bettflasche in einer Ausgabe des Deutschen Konversationslexikons von 1753 als Bezeichnung für aus Zinn gefertigte Wärmflaschen verwendet.

Leider konnte ich keine Angaben zur Verbreitung des Begriffs in deutschen Mundarten finden. Möglicherweise wird er auch in der Schweiz verwendet. Neben der offensichtlichen Zweitbedeutung kommt es bisweilen zu Verwechslungen mit der Urinflasche 9.

Wärmflasche (Wärmeflasche in Österreich)

Die siebte Auflage von Meyers Lexikon aus dem Jahre 1930 kennt den Begriff Wärmflasche, nicht aber den Begriff Bettflasche. Sie versteht den Begriff als Oberbegriff für mit Wasser gefüllt Kupfer- und Zinnbehältnisse, aber auch für irdene Kruken und Gummibeutel. Ihr Zweck ist laut Meyer das Erwärmen von Bett, Eisenbahnwagen und Körperteilen.
Die Beschreibung auf Wikipedia verwendet den Begriff nur für Wärmflaschen aus Gummi.
 

Ausblick

Welche Materialien schon zur Herstellung von Wärmerspendern verwendet wurden und Überlegungen zu Nutzung bewährter Modelle in der Zukunft sind das Thema des nächsten Blogposts.

  1. Diese Aussage tätigt zumindest Günter Holtmann auf seiner Website rund um die Wärmflasche.
  2. Wikipedia weiß mehr über den Begriff Kruke und seine Bedeutungen.
  3. Das Verbreitungsgebiet des Niederdeutschen bei Wikipedia.
  4. Mehr zur Katze mit Hut auf der Website des Hessischen Rundfunks.
  5. Quelle: Die Abbildung einer Wärmepfanne aus dem Bestand des Museums Schloss Moritzburg in Zeitz im Museum-Digital. Besonders interessant ist der Begleittext. Vielen Dank an Frau Rittig für die Zitaterlaubnis. Mehr zum Museum Schloss Moritzburg Zeitz und seinen Sammlungen ist auf der Website des Schlosses zu finden.
  6. Quelle: Website von Günter Holtmann, Holtmann referenziert wiederum die Geschichtsblätter für Technik: Geschichtsblätter für Technik, Berlin 1915, Bd.2, S.192. Als Datum der Patenterteilung wird der 11. November 1808 angegeben, als Patentnummer 315.
  7. Vergleiche den Eintrag zu Bettpfannen bei Wikipedia.
  8. Zitat auf der Website von Günter Holtmann zur Geschichte der Wärmflasche.
  9. Wikipedia über die Urinflasche.

Autor: Alice Scheerer

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4 Kommentare

  1. Noch ist es kalt. Im Fachwerkhaus merkt man das besonders. Zeit für eine Artikelserie über Wärmflaschen & Co: http://t.co/q7hIwB1m

  2. Nach unserem Gespräch über Wärmflaschen musste ich natürlich sofort mal schauen :-)
    Sehr informative Artikelreihe, die den Wärmespendern den Raum einräumt, der ihnen gebührt. Ich freue mich schon, die verschiedenen Links anzuklicken und weiterzulesen.

    • Liebe Stephanie,
      es freut mich sehr, dass Dir die Artikelreihe gefallen hat.
      Im Herbst, wenn auch die weniger Verfrorenen langsam über Wärmespender aller Art nachdenken, geht es weiter mit Wärmekruken,
      Backsteinen und Co..
      Liebe Grüße, Alice Scheerer

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