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Auf der Suche nach der idealen Wärmflasche: Zinn und Kupfer

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Im ersten Teil der Artikelserie wurde auf verschiedene Bezeichnungen und Typen von Wärmflasche und anderen Wärmespendern1 eingegangen. Nun sollen die verwendeten Materialien betrachtet werden.

Die Recherche zu diesem Thema war, wie die meisten Recherchen, sehr spannend und überraschend. So entdeckte ich, dass sowohl über den Wiederabbau von Zinnerz, als auch über den Bau eines Kupferschieferbergwerks nachgedacht wird. Beides wurde in den neunziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen gestoppt. Inzwischen haben sich jedoch die Preise und auch das Bewusstsein der Endlichkeit dieser Stoffe verändert. Zum Glück lassen sich sowohl Zinn als auch Kupfer recyceln.

Damit ich den Text nicht auf die Schnelle schreiben muss, meine Leser aber trotzdem nicht bis zur nächsten Woche warten müssen,  entschloss ich mich kurzerhand, den Abschnitt über Zinn und Kupfer gleich zu veröffentlichen. Messing, Aluminium, Gummi und Co. folgen in der nächsten Woche.

Wärmflaschen aus Zinn

Zinngießer stellten die ersten Wärmflaschen her. Einer der ersten Belege stammt aus dem Jahr 1694. Das in den Niederlanden sehr prominente Buch „Het menselijk bedrijf“ („Die menschlichen Berufe“)2 enthält eine Illustration von Jan oder Caspar Luyken, das einen Zinngießer bei der Arbeit zeigt (Bildüberschrift „De Tinnegieter“). Vor ihm liegt unter anderem eine ballonförmige Wärmflasche mit Schraubdeckel 3.

Seine geringe Härte und der niedrige Schmelzpunkt ließ die Fertigung filigraner Exemplare zu, z.B. reich verzierter Wärmflaschen in Buchform, eine unauffällige Wärmequelle während des Gottesdienstes 4.

Zinn wurde zwar mit der Zeit billiger, sodass sich auch einfachere Bevölkerungsschichten Zinnwärmflaschen leisten konnten, letztendlich wurde der Werkstoff aber von noch günstigeren verdrängt.

Zinn als Werkstoff

Der Zinnbergbau im Erzgebirge wurde 1990 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Heute sind China, Indonesien und Peru die Hauptlieferanten von Zinn5.

Inzwischen steigen die Preise wieder. Laut einem Pressebericht aus dem Jahre 2011 wurden aufgrund der Preisentwicklung in China wieder Probebohrungen im Erzgebirge durchgeführt 6.

Dies hat auch Einfluss auf die Verfügbarkeit von Gegenständen aus Zinn und damit auch von Zinnwärmflaschen, die nun wieder vermehrt eingeschmolzen werden. Am 21.02.2013 lag der Tagespreis bei 5,60 Euro/kg 7.

Wärmeleitfähigkeit: Zinn ist mit 64 w/M*K kein guter Wärmeleiter, aber dafür ein guter Wärmespeicher 8.

Recycling: Laut dem Bundesverband Deutsches Zinngießer Handwerk lässt sich Zinn gänzlich ohne Umweltbelastung be- und verarbeiten und rückstandsfrei aufbereiten 9. Dies gilt wohl nur für Zinnobjekte mit niedrigem oder ohne Bleigehalt.

Second Hand: Wärmflaschen aus Zinn sind, im Gegensatz zu Wärmflaschen aus Kupfer, gegossen. Undichtigkeit durch brüchige Lötstellen entstehen daher nicht. Das Verschmelzen undichter Stellen sollte prinzipiell möglich sein, allerdings kann die Wärmflasche bei zu hoher Temperatur komplett schmelzen. Eine Alternative zur Kellerwerkstatt sind die noch verbliebenen oder wiederentdeckten Zinngießer bzw. Zinn-Restauratoren.

Wärmflaschen und Wärmepfannen aus Kupfer

Umhäkelte Wärmflasche aus Kupfer (Quelle: Wikimedia Commons)

Umhäkelte Wärmflasche aus Kupfer

Die ersten Wärmflaschen aus Kupfer wurden von Kupferschmieden hergestellt, laut G. Holtmann kamen Wärmflaschen aus Kupfer erst nach den Modellen aus Zinn auf. Das Gewerbe des Kupferschmieds selbst gehört zu den ältesten Handwerken und wurde bereits bei den alten Ägyptern erwähnt 10.

Inzwischen gibt es den Beruf des Kupferschmiedes nicht mehr. Der industrielle Kupferschmied wurde durch den Anlagenmechaniker/in – Apparatetechnik und den Anlagenmechaniker/in – Versorgungstechnik ersetzt, der handwerkliche Kupferschmied heißt seit 1998 Behälter- und Apparatebauer/in 11.

Noch gibt es in Deutschland aber noch traditionelle Kupferschmiede, die größtenteils in der ehemaligen DDR ausgebildet wurden und sich unter anderem der Reparatur und Neuverzinnung von Kupfertöpfen widmen, z.B. der Kupferschmied Friedrich Kretschmer 12

Auch heute sind neue Wärmflaschen aus Kupfer noch erhältlich, z.B. von Aplfa. Da Kupfer ein guter Wärmeleiter ist, sollten Wärmflaschen vor dem Gebrauch besonders sorgfältig mit Decken oder Handtüchern umwickelt werden.

Kupfer als Werkstoff

Kupfer war eines der ersten Metalle der Menschheit 13.

Kupfer ist ein Bestandteil von Bronze und Messing. Weltweit sind 2900 Orte bekannt, an denen Kupfer gediegen (in elementarer Form) vorkommt 14. Kupfererz kommt natürlich noch häufiger vor.

Die bedeutendsten Kupferproduzenten sind Chile, Peru und die USA. In Europa wird Kupfer vor allem in Polen, Portugal und Schweden gefördert. 

In Deutschland wurde bis 1990 im Mansfelder Land Kupferschiefer abgebaut 15.

Angesichts steigender Kupferpreise wurde 2006 über den Abbau von Kupferschiefer in Spremberg in der Lausitz nachgedacht 16. Die Planungsphase dieses Kupferbergwerks dauert immer noch an17

Wärmeleitfähigkeit: Kupfer ist mit Werten zwischen 240-380 w/M*K ein guter Wärmeleiter 18.“>Wikipedia.]

Recyling: Da der recycelte Werkstoff die gleichen Eigenschaften hat wie der Primärrohstoff, lässt sich Kupfer unendlich oft wiederverwenden.

Second Hand: Wärmflaschen aus Kupfer lassen sich wie Kupferrohre löten. Undichte Stellen können daher z.B. in der Kellerwerkstadt repariert werden.

Ausblick

Von der Bettflasche über die Wärmequelle zur Materialkunde war mal wieder ein spannendes Assoziations-Ping-Pong. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

  1. Wie schon im ersten Teil der Artikelserie erwähnt, empfiehlt Georg Huber diesen Begriff als Oberbegriff für die verschiedenen Modelle und Synonyme, vgl.  die Einleitung zur Website von G. Holtmann.
  2. Eine Liste der in „Het menselijk bedrijf“ aufgelisteten Berufe ist bei Wikipedia zu finden
  3. Eine Abbildung dieser Illustration ist z.B. bei der niederländischen Stiftung Geneaknowhow  zu finden.
  4. Quelle und Abbildungen: Abschnitt des Sammlungskatalogs von Sylvia Tyborowski auf der Website von Günter Holtmann. In der virtuellen Bibliothek Europeana sind ebenfalls Abbildungen zu finden
  5. Quelle: Wikipedia über Zinn.
  6. Bericht vom 06.10.2011 im Manager Magazin.
  7. Quelle: Scheideanstalt.de.
  8. Quelle: der Eintrag über die Wärmeleitfähigkeit bei Wikipedia.
  9. Quelle: Website des Bundesverband Deutsches Zinngießer Handwerk.
  10. Quelle: Der Eintrag über Kupferschmiede bei Wikipedia.
  11. Quelle: Berufsbeschreibung des Kupferschmiedes auf dem BERUFENET-Server
  12. Ein interessanter Artikel über Friedrich Kretschmer ist auf der Website der Handwerkskammer Magdeburg zu finden.
  13. Laut dem Deutschen Kupferinstitut war Kupfer sogar das erste Metall der Menschheit.
  14. Quelle: Wikipedia über Kupfer.
  15. Wikipedia über das Mansfelder_Land 
  16. Vgl. der Wikipedia-Eintrag über Kupferschiefer und über Spremberg
  17. Quelle:  Website des Bundeslandes Berlin-Brandenburg und die Website  kupferschieferlausitz.com.
  18. Diese Werte beziehen sich auf Kupfer als Handelsware, reines Kupfer hat eine noch höhere Wärmeleitfähigkeit vgl. Auf der Suche nach der idealen Wärmflasche: Messing und Aluminium
  19. Auf der Suche nach der idealen Wärmflasche: Zink und Verzinktes
  20. Bettwärmer, Bettflaschen und andere Wärmespender
  21. SlowLife-Interview mit Petra vom Blog Deeprooted

Autor: Alice Scheerer

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